Wer flexibel arbeiten will, ohne gleich einen Fünfjahresvertrag für ein eigenes Büro zu unterschreiben, landet früher oder später bei Coworking Spaces in Deutschland. Diese Übersicht ist für Selbstständige, kleine Teams und Firmen mit verteilten Mitarbeitern gedacht: Wo lohnt sich ein Tagesticket, wo eine feste Monatsmitgliedschaft, und wo bekommt man ein abschließbares Büro für vier Leute?
Ausgewählt wurden Anbieter, die man in Deutschland wirklich buchen kann. Wichtig waren die Preisstruktur (Tagespass, Flex Desk, Fix Desk, Private Office), die Zahl und Lage der Standorte, was tatsächlich im Preis steckt (WLAN, Reinigung, Kaffee, Empfang, Post), die Ausstattung der Meetingräume und die Vertragsbindung. Genauso zählt der Alltag: Wie schnell antwortet der Empfang, wie laut ist die Fläche, gibt es Telefonboxen, Schließfächer, Küche, Feierabendbier und eine Community, die tatsächlich zusammenarbeitet.
Die Reihenfolge macht hier nicht die Redaktion, sondern die Stimmen der Community. Deshalb lohnt sich der Blick in die einzelnen Karten: dort stehen Pluspunkte, Schwächen und Erfahrungen von Leuten, die schon dort gesessen haben. Am besten zwei oder drei Kandidaten in der eigenen Stadt vergleichen und vorher einen Probetag buchen.
Design Offices startete 2008 in Nürnberg und richtet sich vor allem an Firmenkunden: Standorte liegen meist in Bürotürmen der Innenstädte oder direkt am Hauptbahnhof, von Hamburg über Köln und Frankfurt bis München. Neben Coworking-Flächen und festen Büros macht der Anbieter einen großen Teil seines Geschäfts mit Tagungen, Workshops und Schulungsräumen, inklusive Catering, Technik und Tagungspauschalen pro Person. Wer nur einen Schreibtisch für einen Tag braucht, bucht ihn online oder über die App.
Passt gut für Konzernteams, Vertriebler auf Reisen und alle, die vormittags eine Präsentation halten und nachmittags in Ruhe arbeiten wollen. Weniger geeignet für Freelancer mit kleinem Budget: Die Preise liegen über dem, was ein kleiner Nachbarschafts-Space verlangt, und die Atmosphäre ist eher Business als Bastelkeller.
Nürnberg, Bahnhofstraße 2
WeWork ist die international bekannteste Marke der Branche, in Deutschland mit Häusern in Berlin, München, Frankfurt, Hamburg, Köln und Düsseldorf. Nach dem Insolvenzverfahren in den USA Ende 2023 wurde das Standortnetz deutlich zusammengestrichen, die verbliebenen Flächen sind dafür groß: Der Atrium Tower am Potsdamer Platz verteilt sich über mehrere Etagen und mehrere Tausend Quadratmeter. In Berlin beginnen Fix Desks bei rund 350 Euro im Monat, kleine Privatbüros starten ungefähr bei 540 Euro.
Interessant ist vor allem die All-Access-Mitgliedschaft für Leute, die zwischen Städten pendeln. Wer dagegen Planungssicherheit über Jahre braucht oder einen Standort in einer Mittelstadt sucht, ist bei einem lokalen Anbieter besser aufgestellt.
Mindspace wurde 2014 gegründet und betreibt in Deutschland Häuser in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt. Der Anbieter setzt stark auf Einrichtung: viel Holz, Samtsofas, Kunst an den Wänden, dazu eine Lounge mit Barista-Kaffee, die eher nach Hotellobby aussieht als nach Büro. Zum Angebot gehören Flex Desks, feste Plätze im Team Room und abschließbare Büros ab einer Person, außerdem Community-Manager vor Ort, Events und Frühstück im Wochenprogramm.
Sinnvoll für kleine Agenturen und Startups, die Kunden empfangen und dabei gut aussehen wollen. Wer viel telefoniert, sollte vorher prüfen, wie viele Telefonboxen es am gewünschten Standort gibt, denn die offenen Flächen sind lebendig und entsprechend hörbar. Günstig ist Mindspace nicht.
Berlin, Friedrichstraße 68
Regus gehört zur IWG-Gruppe und ist seit den späten Achtzigern im Geschäft mit flexiblen Büros. In Deutschland kommt kaum ein anderer Anbieter auf so viele Adressen: Business Center in fast allen Großstädten, dazu Standorte an Flughäfen und in Gewerbegebieten. Gebucht wird tageweise als Hot Desk, monatlich als Coworking-Zugang für alle Center oder als Einzelbüro mit Empfangsservice, Geschäftsadresse und Telefonannahme.
Der Reiz liegt in der Abdeckung: Wer ständig unterwegs ist, findet in Dortmund und in Leipzig dieselbe Sorte Arbeitsplatz. Dafür fühlen sich viele Häuser nach klassischem Büroflur an, Community-Leben gibt es kaum. Bei längeren Verträgen lohnt es sich, Nebenkosten, Druckkosten und Verlängerungsklauseln genau durchzurechnen.
Düsseldorf, Prinzenallee 7
betahaus öffnete 2009 in Berlin-Kreuzberg und ist einer der Urväter der deutschen Coworking-Szene. Heute gibt es zwei Berliner Häuser, Rudi-Dutschke-Straße und Moritzplatz, dazu einen Standort in Hamburg in der Eifflerstraße sowie Ableger in Sofia und Barcelona. Das Haus lebt von der Mischung aus Café im Erdgeschoss, offenen Flächen, Werkstattkultur und Events. In Hamburg kostet ein Tagesticket 24 Euro, es gibt auch Halbtagestickets und Lastenräder zur stundenweisen Miete.
Gut für Freelancer, Designer und Gründer, die Kontakte statt Anonymität suchen. Wer absolute Stille braucht oder eine repräsentative Adresse für Konzernkunden, wird hier nicht glücklich: Es ist voll, offen und manchmal laut.
Berlin, Rudi-Dutschke-Straße 23
Das St. Oberholz am Rosenthaler Platz gilt als Geburtsort des Arbeitens mit Laptop in Berlin, das Café gibt es seit 2005. Über dem Gastraum liegen Coworking-Flächen, Team- und Konferenzräume, die nur Mitgliedern offenstehen, ein zweites Haus in der Zehdenicker Straße kam 2015 dazu. Gearbeitet wird mit Monatsmitgliedschaften, dazu kommen Eventflächen, Büros für kleine Teams und Beratung zu neuen Arbeitsformen.
Für Berliner Selbstständige, Autoren und kleine Redaktionen eine naheliegende Adresse, zumal Kaffee und Küche direkt im Haus sind. Der Café-Bereich unten ist allerdings Touristenmagnet, Steckdosen und Tische sind dort begrenzt. Wer ernsthaft arbeiten will, braucht die Mitgliedschaft für die oberen Etagen.
Berlin, Rosenthaler Straße 72a
Der Impact Hub Berlin sitzt in Neukölln und gehört zum weltweiten Impact-Hub-Netzwerk. Der Fokus liegt auf Gründerinnen und Gründern mit sozialem oder ökologischem Geschäftsmodell: Neben Schreibtischen laufen Programme, Accelerators und Workshops, dazu kommen Eventflächen für Meetups und Konferenzen. Mitgliedschaften reichen von wenigen Tagen im Monat über Flex Desks bis zu festen Plätzen und eigenen Büroräumen, Anfragen laufen über das Community-Team.
Wer einen Space nur als Schreibtisch mit WLAN sieht, zahlt hier für Dinge, die er nicht nutzt. Wer dagegen Investoren, Mentoren und Mitgründer sucht, bekommt ein Netzwerk, das über die Fläche hinausgeht. Die Lage abseits von Mitte ist Geschmackssache, dafür ist es ruhiger.
Berlin, Rollbergstraße 28A
SleevesUp! Spaces sitzt in Frankfurt am Main und geht bewusst dorthin, wo die großen Ketten fehlen: Gießen, Kronberg, Weiterstadt, Hannover und weitere Städte abseits der Top-Lagen. Gebucht wird in drei Stufen, von der Membership über den Pro-Tarif bis zum eigenen Office. Meetingräume kosten je nach Größe und Standort etwa 20 bis 40 Euro pro Stunde, Tagespauschalen liegen zwischen rund 135 und 295 Euro, Technik wie Beamer, Whiteboard und Getränke sind dabei.
Praktisch für Pendler, die sich die Fahrt in die Großstadt sparen wollen, und für Firmen, die Mitarbeitern ein Büro in Wohnortnähe finanzieren. Die Community ist an kleineren Standorten naturgemäß dünner, und die Ausstattung schwankt von Haus zu Haus. Vorher anschauen lohnt sich.
Frankfurt am Main, Eschborner Landstraße 42-50
Unicorn betreibt rund ein Dutzend Standorte in Berlin, von Mitte über Kreuzberg bis Wedding, plus weitere Häuser in anderen Städten. Der Schwerpunkt liegt inzwischen weniger auf einzelnen Freelancern als auf privaten Büros für Startups und Mittelständler, meist Einheiten für vier bis acht Arbeitsplätze, komplett möbliert. Preise starten je nach Lage bei etwa 340 Euro pro Schreibtisch und Monat, Meetingräume, Telefonboxen, Lounges und Barista gehören zum Paket.
Sinnvoll für Teams, die schnell einziehen und ebenso schnell wachsen oder schrumpfen wollen. Für Tagesgäste ist das Angebot weniger interessant, und die Standorte unterscheiden sich stark: Ein Haus am Gendarmenmarkt fühlt sich anders an als eines im Hinterhof.
Berlin, Französische Straße 24
Das Combinat 56 ist eine Münchner Bürogemeinschaft alter Schule, unabhängig geführt und ohne Kette im Hintergrund. Es gibt Halbtagesplätze, Zehnerkarten und Monatsplätze, WLAN sowie Kaffee und Tee stecken in jedem Tarif. Wer testen will, darf einen halben Tag kostenlos schnuppern, Anmeldung vorher, Ankunft zwischen 9 und 11 Uhr. Wird danach eine Zehnerkarte oder ein Monatsplatz gebucht, rechnet das Haus den Probetag an.
Die Mischung aus Kreativen, Handwerksnahen und Selbstständigen macht den Ton aus, entsprechend familiär läuft der Alltag. Für Firmen, die zwanzig Arbeitsplätze und ein Rechnungsportal brauchen, ist das zu klein. Für Solo-Selbstständige in München, die feste Nachbarn statt wechselnder Gesichter mögen, genau richtig.
München, Adlzreiterstraße 27