Wer abends allein zur S-Bahn läuft, überlegt irgendwann, ob ein Kurs sinnvoll wäre. Diese Übersicht sammelt Anbieter für Selbstverteidigungskurse in Deutschland: für Einsteiger ohne Sportbiografie, für Frauen, für Jugendliche und für alle, die nach Jahren am Schreibtisch wieder Bewegung und ein sicheres Gefühl auf der Straße suchen.
Ausgewählt wurde nach den Punkten, die bei der Anmeldung tatsächlich Geld und Nerven kosten: Kursgebühr und Vertragslaufzeit, Probetraining oder Testwoche, Qualifikation der Trainer und Anbindung an einen Verband, Format des Angebots (Wochenendkurs, laufendes Training, Videokurs), Dichte der Standorte, eigene Gruppen für Frauen und Kinder sowie der Anteil an Deeskalation, Rechtslage und Verhalten vor dem ersten Schlag. Ein Anbieter, der Technik in vier Stunden verspricht, wurde kritisch angesehen.
Die Reihenfolge der Plätze bestimmen die Stimmen der Community, nicht die Redaktion. Wer vergleicht, liest am besten Plus- und Minuspunkte in den Karten sowie die Erfahrungsberichte anderer Teilnehmer und geht danach zum Probetraining. Wie sich ein Training anfühlt, merkt man erst in der Halle.
Die EWTO ist der größte europäische Verband für WingTsun, gegründet 1976 von Keith R. Kernspecht, die Zentrale sitzt in Heidelberg. Unterrichtet wird nach einem festen Graduierungssystem von den Schülergraden bis zu den Meistergraden. Dazu kommen Escrima mit Stock und Alltagsgegenständen, Kids-WingTsun, Gewaltprävention und das Kurzprogramm BlitzDefence, das auf typische Straßensituationen und die Sekunden vor dem Angriff zielt.
Praktisch ist die Standortdichte: Schulen und Ausbildungsgruppen gibt es in fast jeder größeren Stadt, geleitet von lizenzierten Ausbildern. Preise, Laufzeiten und Trainingszeiten legt jede Schule selbst fest, deshalb lohnt der Vergleich zweier Standorte in derselben Stadt. Wer nach vier Wochen fertig sein will, ist hier falsch: WingTsun ist als langer Weg mit Prüfungen und Lehrgangsgebühren angelegt und passt eher zu Menschen, die dauerhaft trainieren wollen.
Bergheimer Straße 147, 69115 Heidelberg
Krav-Maga-Schule in Berlin-Wilmersdorf, die seit den 1990er Jahren unterrichtet und einen Stundenplan mit über 40 Kursen pro Woche fährt. Anfänger steigen wöchentlich ein, sieben Tage lassen sich kostenlos testen. Neben den Grundkursen zu Schlagtechnik, Distanz und Befreiung aus Griffen laufen Frauenkurse, Kinder- und Jugendgruppen sowie Klassen mit Fitnessanteil.
Die Lage an der Mehlitzstraße ist mit Bus und U-Bahn gut erreichbar, was beim Feierabendtraining zählt. Wer nur ein Wochenendseminar sucht und danach nicht wiederkommen will, ist in einem laufenden Kursbetrieb weniger gut aufgehoben. Zum Krav Maga gehören Kontakt und Druck im Training, das ist am Anfang unangenehm, wirkt aber genau deshalb später. Die Probewoche vorher zu nutzen, ist ausdrücklich vorgesehen.
Mehlitzstraße 5, 10715 Berlin
Berliner Krav-Maga-Club unter Leitung von Stephanie und Björn Wiebe, beide mit Expertengraduierungen der Organisation Krav Maga Global. Trainiert wird realitätsnah: Drills, Stressphasen, Szenarien aus dem Alltag. Es gibt Gruppen für Erwachsene und eine eigene Teensklasse von 12 bis 16 Jahren. Ein Trainingsort liegt in Lichtenberg in der Pyramide Fitness World an der Alten Rhinstraße, Anfahrt per Tram.
Der Kontakt läuft bewusst per E-Mail, telefonischen Support gibt es nicht, weil die Trainer meist in der Halle stehen. Wer klare Ansagen, Schweiß und viele Wiederholungen mag, ist hier richtig; wer weiche Bewegungslehre sucht, eher nicht. Das Training in einem Fitnessstudio bringt Umkleiden und Duschen vor Ort mit sich, bindet die Zeiten aber an den Studiobetrieb.
Alte Rhinstraße 16, 12681 Berlin
Lehr- und Ausbildungszentrum für Commando Krav Maga, betrieben von der First Martial Arts GmbH in Berlin-Schöneberg, mit Gruppen auch in Potsdam und Hamburg. Der Stil stammt aus dem israelischen Militär- und Sicherheitsbereich und arbeitet mit wenigen groben Techniken, Abwehr gegen Waffen und Situationen mit mehreren Angreifern. Neben laufenden Kursen gibt es Seminare und Ausbildungen für Trainer.
Für Berufsgruppen mit direktem Kundenkontakt, etwa Sicherheitsdienste, Pflege oder Rettungsdienst, ist dieser Zuschnitt näher am Bedarf als ein sportlich orientierter Kampfsport. Einsteiger ohne Sportvergangenheit sollten mit dem Probetraining beginnen und ihre Grenzen offen ansprechen. Wettkämpfe gehören nicht dazu, Fortschritt zeigt sich in Levelprüfungen. Wer saubere Formen und Ästhetik sucht, findet die in klassischen Kampfkünsten.
Hauptstraße 27, 10827 Berlin
Kampfkunstschule in München-Haidhausen, seit 1987 aktiv, Schwerpunkt Ving Tsun Kung Fu und daraus abgeleitete Selbstverteidigung. Der Unterricht geht typische Konfliktverläufe durch: das Ritual vor der Schlägerei, Opfertests, Angriffe aus Gruppen, Übergriffe gegen Frauen. Angeboten werden Gruppen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, Privatunterricht sowie Probetraining nach Anmeldung.
Die Wörthstraße liegt zwischen Rosenheimer Platz, Ostbahnhof und Max-Weber-Platz, die Tram hält in der Nähe. Bürozeiten sind vormittags, Training läuft überwiegend am späten Nachmittag und Abend, samstags vormittags, freitags nur als Privatstunde. Wer im Schichtdienst arbeitet, sollte den Kursplan gegen den eigenen Dienstplan legen. Für Teilnehmer, die Technik langsam und sauber lernen möchten, ist der Aufbau angenehmer als ein reines Drillsystem.
Wörthstraße 9, 81667 München
Online-Schule für Selbstverteidigung von Marcel Descy aus dem Münchner Raum. Die Mitgliedschaft enthält nach Anbieterangaben mehr als 28 Videokurse, Live-Trainings und einen Aufbau in festen Schritten, gebucht als Basic- oder Masterclass. Dazu kommen Personal Training, Seminare für Schulen, Trainings für Sicherheitsfirmen, eine Trainerausbildung und das Buch "Selbstverteidigungsbibel".
Sinnvoll für Menschen im Wechseldienst, auf dem Land oder ohne Schule in erreichbarer Nähe: Videos laufen dann, wenn Zeit ist. Was der Bildschirm nicht liefert, ist der Partner, der wirklich zieht und drückt. Befreiungen aus Griffen und Gefühl für Distanz brauchen Widerstand, deshalb gehört mindestens ein Trainingspartner oder ein Präsenzseminar dazu. Abgerechnet wird als Abo, die Kündigungsfrist steht in den Bedingungen und sollte vor dem Klick gelesen werden.
Erlebnisportal, über das Husky-Wanderungen und Schlittenhunde-Workshops an mehreren Standorten buchbar sind, unter anderem in Neumarkt in der Oberpfalz, im Unterallgäu und in Goch am Niederrhein. Üblich sind rund drei bis dreieinhalb Stunden inklusive Einweisung, Bauchgurt und Zeit im Rudel, an einigen Orten laufen Huskymischlinge mit. Verkauft wird meist als Gutschein mit langer Einlösefrist, das Datum wird später direkt beim Veranstalter reserviert.
Praktisch als Geschenk und für Einsteiger, die Zughunde einmal erleben wollen, ohne selbst eine Farm zu suchen. Wer feste Termine braucht, sollte früh reservieren: In der Wintersaison sind die beliebten Standorte schnell ausgebucht. Und klar bleibt es eine Vermittlung, das Erlebnis selbst gestaltet der Partner vor Ort, Qualität und Gruppengröße schwanken deshalb je nach Standort.
Vermittlungsplattform für Privatunterricht, in Deutschland auch mit Selbstverteidigung im Katalog: laut Portal rund 115 Profile, von Einsteigertraining über Selbstverteidigung für Frauen bis Deeskalation, vor Ort oder per Video. Die Trainer setzen ihre Stundensätze selbst, viele geben die erste Stunde kostenlos. Gesucht wird über Profile mit Bewertungen, der Kontakt läuft direkt.
Der Einzelunterricht ist das Argument: Tempo, Themen und Termine richten sich nach dem Teilnehmer, was älteren Einsteigern und Menschen mit Vorerkrankungen entgegenkommt. Geprüft werden Qualifikationen aber nicht so streng wie in einem Verband, deshalb nach Lizenz, Referenzen und Versicherung fragen. In Kleinstädten ist die Auswahl schmal, und zu zweit fehlt die Gruppe, die Stress und Unordnung erzeugt.
Die Volkshochschulen sind der günstigste Weg zu einem ersten Selbstverteidigungskurs. Mehrere Hundert Einrichtungen im Bundesgebiet nehmen solche Kurse ins Semesterprogramm, meist als Wochenendkurs oder als Reihe über wenige Abende, oft getrennt nach Zielgruppen: Frauen, Seniorinnen, Kinder, Berufstätige mit Publikumsverkehr. Die Gebühren liegen häufig im zweistelligen Bereich, gesucht wird über das Kursportal des Volkshochschul-Verbands oder direkt bei der vhs am Wohnort.
Vertragsbindung gibt es nicht, das senkt die Hemmschwelle deutlich. Dafür ist der Umfang begrenzt: In sechs oder acht Stunden entsteht ein Grundgefühl für Abstand, Stimme und einfache Techniken, keine Routine. Beliebte Termine sind früh ausgebucht, und im Semester zwischen den Kursen bleibt eine Lücke. Wer weitermachen möchte, braucht danach einen Verein oder eine Schule.
Ju-Jutsu wurde in den 1960er Jahren in Deutschland als Selbstverteidigungssystem für Polizei und Zivilbevölkerung zusammengestellt, der Deutsche Ju-Jutsu Verband organisiert dazu die Vereine im Sportverbandssystem. Trainiert wird in Turnhallen und Dojos, mit Gürtelgraden, Prüfungsordnung und Trainern, die eine Lizenzausbildung durchlaufen. Neben dem laufenden Vereinstraining bieten viele Vereine kurze Selbstverteidigungskurse für Frauen, Kinder und Betriebe an.
Preislich ist der Verein kaum zu schlagen: Der Monatsbeitrag liegt meist weit unter dem, was eine private Schule verlangt, dafür sind Ausstattung und Hallenzeiten einfacher gehalten. Zu beachten sind die Schulferien, in denen viele Gruppen pausieren, und die sportliche Ausrichtung mit Wettkampfteil, die nicht jeder sucht. Wer langfristig und mit festem Verein trainieren will, fährt hier vernünftig.