Eine eigene Schallplatte in der Hand zu halten, ist für Bands, kleine Labels und Musikvereine bis heute etwas anderes als ein Link zum Streamingdienst. Wer diesen Schritt plant, braucht ein Werk, das sauber presst, das Cover farbtreu druckt und Termine einhält. Diese Übersicht sammelt Schallplattenpresswerke in Deutschland, die auf eigenen Maschinen fertigen, vom kleinen Betrieb mit zwei alten Toolex-Alpha-Pressen bis zur Fabrik mit eigener Druckerei und eigenem Versandlager.
Aufgenommen wurde nur, wer selbst presst und nicht bloß vermittelt. Verglichen wurden Mindestauflage, Lieferzeit, Formate von 7 bis 12 Zoll, Farb- und Sonderausführungen sowie die Frage, wie viele Arbeitsschritte im Haus bleiben: Schnitt der Masterfolie, Galvanik, Etiketten- und Coverdruck, Konfektionierung. Dazu kamen das Preisniveau, der Umgang mit dem Material und die Frage, ob auch eine Auflage von 100 Stück freundlich betreut wird.
Die Reihenfolge bestimmt nicht die Redaktion, sondern die Community: Jede Stimme verschiebt die Plätze. In den Karten stehen Stärken und Schwächen nebeneinander, dazu die Erfahrungen der Leserinnen und Leser, von der Farbtreue der Labels bis zum Ton am Telefon. Wer eine Produktion plant, liest am besten die Nachteile zuerst und holt danach zwei Angebote ein.
optimal media presst seit 1995 in Röbel an der Müritz, das Werk selbst arbeitet seit 1990 und ging aus dem Hamburger Medienhaus edel hervor. Auf dem Gelände liegen Presserei, das Masteringstudio sector5, eine Druckerei für Hüllen und Booklets sowie Lager und Versand. Deshalb kommen Box-Sets und Mediabooks komplett aus einem Haus. Neben schwarzem Vinyl gibt es BioVinyl, das recycelte ReVinyl und Sonderarten wie Etched Vinyl.
Für Labels mit größeren Auflagen und aufwendiger Ausstattung ist das die naheliegende Adresse, gerade wenn Druck und Versand mitlaufen sollen. Wer nur hundert Platten für die eigene Band braucht, ist hier eher falsch: Der Betrieb ist auf Serie ausgelegt, und in Spitzenzeiten merkt man das an den Terminen. Beratung und Datenannahme laufen auch über die Service-Center in Berlin und Hamburg.
Glienholzweg 7, 17207 Röbel/Müritz
Die Schallplattenfabrik Pallas in Diepholz gehört seit 1948 zum Bestand der Branche und wird bis heute von der Familie Neumann geführt. Der Ruf ist audiophil: schwere Pressungen, Reissues für Klassik und Jazz, genaue Kontrolle jeder Charge. Mastering und Schnitt laufen im Haus, über die Schwesterfirma P+O Compact Disc kommen CDs und Verpackungen dazu.
Wer leise Oberflächen und gleichbleibende Qualität über die ganze Auflage braucht, landet früher oder später hier; Sammler suchen in Auktionen gezielt nach Pallas-Pressungen. Dafür liegt das Preisniveau über dem kleiner Werke, und freie Termine sind knapp, weil viele Labels lange im Voraus buchen. Für die schnelle Clubmaxi ist das Werk nicht gedacht, für Editionen, die Jahrzehnte halten sollen, dagegen sehr.
Auf dem Esch 8, 49356 Diepholz
R.A.N.D. Muzik begann 1996 als Label von drei Leipziger DJs, gepresst wird inzwischen in den früheren Pferdeställen des alten Postbahnhofs im Leipziger Osten. Rund fünfzig Mitarbeitende decken die Kette vom Schnitt der Masterfolie über die Galvanik bis zur fertigen Platte ab. Produziert werden 7, 10 und 12 Zoll, schwarz oder farbig, in Auflagen von 100 bis 10.000 Stück.
Das Werk ist bei elektronischer Musik und Independent-Labels zu Hause, die Beratung zum Schnittpegel und zur Titelreihenfolge gehört dazu. Wer sehr aufwendige Verpackungen oder große Stückzahlen im fünfstelligen Bereich braucht, fragt besser bei den großen Werken an. Kleine Kunden bekommen dafür einen festen Ansprechpartner statt eines Formulars.
Brandenburger Straße 30, 04347 Leipzig
celebrate records in Stollberg im Erzgebirge presst seit über 25 Jahren und hält dabei alle Schritte am eigenen Standort: DMM- und Lackschnitt, Galvanik, Pressung, Druck von Labels, Covern und Inlays, Konfektionierung und Folierung. Angeboten werden 7, 10 und 12 Zoll, über fünfzig Vinylfarben, Splatter und Picture Discs, dazu Spielereien wie Duftlack oder eine stumme bedruckte Seite in Rillenoptik.
Interessant ist der Betrieb für Labels, die Grafik und Pressung nicht auf zwei Firmen verteilen wollen, und für Werbeprojekte mit ungewöhnlichen Wünschen. Die Website wirkt etwas altmodisch, und wer Standardware ganz billig sucht, findet anderswo günstigere Angebote. Rückfragen gehen an eine feste Nummer, das Büro ist werktags bis 16.30 Uhr besetzt.
Am Birkenwäldchen 2, 09366 Stollberg/Erzgebirge
duophonic produziert seit 2002 Schallplatten und CDs, presst aber erst seit 2022 selbst: in einer alten Halle im Industriepark Augsburg, auf zwei originalen Toolex-Alpha-Automaten. LPs gibt es ab 100 Stück, im hauseigenen Studio wird auf einer Neumann VMS 70 geschnitten, vom Masterfolienschnitt bis zur Einzelanfertigung für den Hausgebrauch. Das Recycling-Vinyl entsteht aus den eigenen Produktionsabfällen, wahlweise schwarz oder als bunter Zufallsmix.
Passend ist das für Bands, Chöre und kleine Labels, die eine überschaubare Auflage und kurze Wege wollen, und für alle, die eine einzelne Platte als Geschenk schneiden lassen möchten. Zwei Pressen bedeuten allerdings begrenzte Kapazität, große Auflagen dauern entsprechend. Studio und Presswerk liegen an zwei Adressen in der Stadt.
Heinrich-von-Buz-Straße 25, 86153 Augsburg
intakt! ist Berlins erstes Presswerk der neuen Vinylwelle, gegründet 2017 von den DJs Max Gössler und Alex Terboven in einer Halle in Marienfelde. Gepresst wird auf neu gebauten Newbilt-Maschinen, geplant war eine Kapazität von bis zu 30.000 Platten im Monat. Angetreten sind die beiden, weil kleine Labels damals monatelang auf Termine warteten, entsprechend kurz sollen die Durchlaufzeiten bleiben.
Aufträge laufen über ein Ticketsystem, Angebote und Datenannahme sind schlank organisiert, was Clublabels und Selbstveröffentlichern entgegenkommt. Wer aufwendige Klapphüllen, Box-Sets und Druck aus einer Hand erwartet, muss Partner dazunehmen. Auch die Kommunikation ist eher knapp gehalten, dafür sitzt man in Berlin nah an der Produktion und kann Testpressungen selbst abholen.
Trachenbergring 85, 12249 Berlin
OBJECTS Manufacturing presst seit April 2023 in einem früheren Kabelwerk in Berlin-Oberschöneweide, direkt an der Spree. Gegründet von Jeremy Guillot und Daniel Plasch, arbeitet der Betrieb mit drei Pheenix-Alpha-Pressen und einer eigenen Galvanik, was Zeit spart, weil Stamper nicht auf Reisen gehen. Gefertigt werden 12-Zoll-Platten in 140 und 180 Gramm, schwarz oder in mehr als 36 Farbvarianten, die Durchlaufzeit liegt meist bei sieben bis acht Wochen.
Die Preise stehen offen im Konfigurator, ein Paket mit 300 schwarzen Platten lag zuletzt bei etwa 1.300 Euro, günstig ist das für sehr kleine Budgets nicht. Nachhaltigkeit und kurze Wege sind Programm, in der Halle finden auch Workshops und Release-Abende statt. Inzwischen gehört das Werk zur französischen Yoyaku-Gruppe, geführt wird es weiter vom Berliner Team.
Wilhelminenhofstraße 76/77, 12459 Berlin
Matter of Fact im mecklenburgischen Güstrow wurde 2022 von Andre Kronert aufgebaut, DJ und Betreiber des Labels ODD EVEN. Drei Maschinen sind auf rund 30.000 Platten im Monat ausgelegt. Die klare Ansage von Anfang an: keine Aufträge von Majorlabels, damit die Termine für unabhängige Labels frei bleiben. Betreut wird der ganze Weg von der Audiobearbeitung über die Anmeldung bis zum Versand.
Für Indie-Labels aus dem Norden und Osten ist das eine kurze Strecke, dazu kommt der Ausgleich des Produktionsausstoßes über Umweltprojekte in der Region. Wer eine Prestigepressung mit audiophilem Anspruch plant, findet bei älteren Werken mehr Erfahrung. Auch das Sortiment an Sonderausführungen ist kleiner als bei den großen Anbietern, dafür bleibt die Abstimmung persönlich.
Glasewitzer Chaussee 18, 18273 Güstrow
MY45 wurde 2006 von Andreas Bauer gegründet und presst in Tiefenbach in Niederbayern, ein kleines Werk mit Blick auf Singles. Gefertigt werden 7 und 12 Zoll in 140 und 180 Gramm, schwarz sowie in klaren, deckenden, marmorierten und Splatter-Varianten. Vom Mastering bis zur verkaufsfertig eingeschweißten Platte läuft alles über eine Hand, dazu betreibt das Haus einen eigenen Vertrieb mit Schwerpunkt Reggae, Karibik, Afrika und Latin.
Gedacht ist der Betrieb für Hobbylabels, Musikerinnen und Musiker und kleine Independents, die eine Single ohne großen Apparat pressen lassen wollen. Wer Klapphüllen, Box-Sets und riesige Auflagen braucht, ist bei den Fabriken besser aufgehoben. Büro und Presswerk liegen an zwei Adressen, Anfragen laufen über das Büro in Ergolding.
Festplatzstraße 6, 84030 Ergolding
Sounds In Vinyl nahm am 1. Januar 2023 im münsterländischen Reken den Betrieb auf, gegründet von Musikagent Bernd Wilbert, dem Kaufmann Amir Glasche und der niederländischen Agentur Doomstar Booking. Gepresst wird auf modernen Pheenix-Alpha-Maschinen, ausgelegt auf bis zu zwei Millionen Platten im Jahr, das Programm reicht von 140 und 180 Gramm bis zu Splatter- und Farbvarianten. Der Schwerpunkt liegt seit dem Start bei Rock- und Metal-Labels aus Deutschland, der EU und den USA.
Inzwischen läuft die Produktion unter neuer Leitung von Sven Bogner aus Neuhausen in Süddeutschland, das Team wurde dabei umgebaut. Kleine Auflagen und ein wenig Handarbeit gehören zum Alltag, große Prestigeprojekte eher nicht. Wer plant, sollte den aktuellen Standort und die Lieferzeit vor der Bestellung abfragen.
Carl-Benz-Straße 4, 48734 Reken