Wer einem Grundschulkind etwas schenken will, das länger hält als eine Tüte Süßigkeiten, landet schnell bei Experimentierkästen für Grundschulkinder. Die Auswahl ist groß, die Qualität schwankt aber erheblich: mancher Kasten liefert Material für ein halbes Schuljahr, ein anderer ist nach einer Stunde durchgespielt.
In diese Liste kommen nur Kästen, die es aktuell bei Amazon, OTTO oder eBay in Deutschland gibt und die für Kinder von etwa 6 bis 10 Jahren gedacht sind. Angeschaut wurden Zahl und Substanz der Versuche, die Anleitung (Bilder statt langer Texte, damit Erstklässler mitkommen), die Materialqualität, der Anteil an Verbrauchsstoffen und die Frage, ob am Ende ein Erwachsener die halbe Arbeit machen muss. Auch der Preis pro Versuch spielt eine Rolle, denn zwischen 9 und 35 Euro liegt in dieser Nische fast alles.
Die Reihenfolge macht die Redaktion nicht: Die Plätze entstehen aus den Stimmen der Community. In den Karten stehen Plus- und Minuspunkte, Altersangaben und die Erfahrungen anderer Käufer. Wer zwei Kandidaten vergleicht, sollte beides lesen, gerade die Minuspunkte.
Der Kasten aus der Reihe Schülerlabor deckt den Sachunterricht der ersten beiden Grundschuljahre ab: Luft, Wasser, Farben, Licht und Schatten, Hören und Sehen. Über 50 Versuche, rund 53 Teile, dazu eine Anleitung, die mit vielen Bildern und kurzen Sätzen arbeitet, damit Kinder ohne sicheres Lesen mitkommen. Die Seiten "Nachgehakt" verknüpfen jeden Versuch mit Beobachtungen aus dem Alltag, Quiz- und Knobelaufgaben sichern das Gelernte. Bei OTTO liegt er um 33 Euro, gefertigt wird in Deutschland.
Sinnvoll für Kinder von 6 bis 9, die frisch eingeschult sind und Fragen stellen. Ein Erwachsener sollte die ersten Versuche begleiten, allein sortiert kaum ein Sechsjähriger die vielen Kleinteile. Für Dritt- und Viertklässler ist der Inhalt zu leicht, hier greift man besser zur größeren Ausgabe.
Die Fortsetzung für die dritte und vierte Klasse arbeitet mit 39 Experimenten und deutlich mehr Material: rund 78 Teile, darunter Reagenzgläser, ein Elektromotor und Glühlämpchen. Themen sind chemische Gemische, pH-Werte, Strom und Ladung sowie verschiedene Antriebe, also genau der Stoff, der im Sachunterricht der Oberstufe der Grundschule ansteht. Die bebilderte Anleitung erklärt Schritt für Schritt, Aufgaben zur Lernkontrolle gehören dazu. Preislich liegt der Kasten bei OTTO ab etwa 34 Euro.
Der richtige Griff für Kinder ab 8, die den kleinen Bruder-Kasten schon kennen. Ohne Aufsicht sollte man Versuche mit Strom und Flüssigkeiten nicht laufen lassen, dafür ist die Ausstattung zu echt. Wer nur ein einzelnes Thema sucht, zahlt hier für Breite, die er nicht braucht.
Ein Einsteigerkasten für Fünf- bis Achtjährige mit 21 Versuchen zu Technik an Land, im Wasser und in der Luft. Ein kleines Auto flitzt durchs Zimmer und wird zum Schaufelradboot umgebaut, dazu kommen Papierflieger, Fallschirm, Hebel und Flaschenzug. Die Anleitung zeigt jeden Handgriff als Bild, Lesekenntnisse braucht das Kind nicht. Die Schachtel misst etwa 37,5 x 29,5 x 8 cm und wiegt gut 700 Gramm, der Preis bewegt sich um 20 Euro.
Für Vorschulkinder und Schulanfänger die vielleicht günstigste Art, technische Grundbegriffe anzufassen statt zu hören. Wer allerdings 50 Versuche erwartet, wird enttäuscht: Nach zwei ruhigen Nachmittagen ist der Kasten durch. Geklebte und gefaltete Modelle überleben selten den dritten Aufbau.
Hier wird der eigene Körper zum Versuchsobjekt: Puls hören mit einem selbst gebauten Stethoskop, Sinne auf die Probe stellen, Tasten, Riechen und Sehen prüfen. Der Kasten gehört zur Reihe Mein erster Experimentierkasten und ist für 5 bis 8 Jahre ausgelegt, die Anleitung führt mit Bildern durch die Versuche, also auch ohne Lesekenntnisse machbar. Die Themen passen gut zum Sachunterricht der ersten Klassen.
Empfehlenswert für Kinder, die sich mehr für Menschen und Tiere interessieren als für Motoren und Schaltungen. Viele Versuche brauchen einen Partner, allein im Kinderzimmer wird es öde. Das Material ist einfach gehalten, ein Messgerät im engeren Sinn steckt nicht darin. Für ältere Grundschüler bleibt der Kasten zu brav.
Das Einsteiger-Set der Easy Elektro-Reihe bringt rund 60 Experimente zu Stromkreisen, Spannung, Schaltungen und Magnetismus. Verbunden wird über Druckknöpfe im Easy-Klick-System, gelötet oder geschraubt wird nichts, die Schaltpläne sind kindgerecht gezeichnet. Vom Codeschloss bis zum Propeller, der möglichst hoch steigen soll, reicht die Bandbreite. Kosmos gibt 8 bis 12 Jahre an, die Bausteine passen zu den größeren Kästen der Reihe wie Big Fun.
Für Kinder, die wissen wollen, warum die Lampe leuchtet, ist das solide Technik zum Anfassen und nicht nur Bastelpappe. Zwei Mignon-Batterien muss man selbst besorgen, sie liegen nicht bei. Unter 8 Jahren wird es ohne Erwachsenen zäh, und die Bausteine lassen sich nur innerhalb dieses Systems weiterverwenden.
Ein Kasten, der die Badewanne zum Labor macht: Wasserberge, Seifenboot, Wasserrad, Taucherglocke und erste Hydraulik. Beigelegt sind Spritzen, Schläuche, Messbecher und Murmeln, die Anleitung ist wasserfest gedruckt und erklärt jeden Versuch in Bildern, sodass Kinder ohne Lesekenntnisse zurechtkommen. Kosmos empfiehlt den Kasten ab 6 Jahren, jedes Phänomen wird kurz und altersgerecht erklärt.
Die naheliegende Wahl für Erstklässler, die sowieso gern im Wasser panschen, und ein guter Einstieg vor den großen Sachkunde-Kästen. Ein Thema, ein Element, mehr gibt es nicht: Wer Chemie oder Strom erwartet, greift daneben. Das Badezimmer wird nass, und die Teile sollten nach dem Spielen trocknen, sonst siedelt sich Kalk in den Schläuchen ab.
Das Lernpaket des FRANZIS Verlags nimmt die Maus aus dem Fernsehen als Begleiter und bietet 19 Versuche zu Alltagsphänomenen. Jeder Versuch dauert etwa 10 Minuten, das Handbuch hat 44 Seiten und erklärt Hintergründe in kurzen Abschnitten, Zubehör liegt bei. Empfohlen ist der Kasten ab 7 Jahren, er lässt sich einzeln oder der Reihe nach durcharbeiten, was für Regentage und Ferien praktisch ist.
Gut für Kinder, die die Sendung kennen und lieber einen Versuch nach dem anderen machen als ein langes Programm. Der Umfang ist überschaubar, gegen die großen Sachkunde-Kästen wirkt er dünn. Das beigelegte Zubehör ist zweckmäßig, nicht mehr, und wer alle 19 Versuche gemacht hat, hat den Kasten ausgereizt.
Clementoni verspricht rund 180 Experimente in einem Chemielabor für Kinder ab 8 Jahren, dazu gehören Laborgeräte wie Becher, Reagenzgläser und Pipetten sowie ungefährliche Substanzen. Ein bebildertes Handbuch führt durch die Versuche und erklärt, was bei Farbwechsel, Säure und Base passiert. Der Preis lag zuletzt bei etwa 22 bis 30 Euro, was pro Versuch rechnerisch günstig aussieht.
Für Kinder am Ende der Grundschulzeit, die von einem echten Labor träumen, ist das eine bezahlbare erste Ausstattung. Die Zahl 180 ist allerdings großzügig gerechnet: Viele Versuche sind Abwandlungen desselben Prinzips. Die Geräte sind Kunststoff, die Rückmeldungen der Käufer gehen bei der Haltbarkeit auseinander, und ohne Erwachsenen am Tisch sollte kein Kind loslegen.
Die Biosphäre ist weniger Chemiekasten als kleines Gewächshaus mit Anleitung: Kinder ab 8 säen aus, beobachten Keimung und Wachstum und lernen dabei die Zusammenhänge von Boden, Wasser und Licht. Zum Set gehören das Modell, Saatgut und Zubehör, ein illustriertes Handbuch erklärt die botanischen Hintergründe. Im Handel wird der Kasten meist zwischen 17 und 20 Euro gehandelt, damit ist er einer der günstigeren.
Passend für Kinder, die Pflanzen mögen und Geduld haben, denn Ergebnisse zeigen sich erst nach Tagen und Wochen. Wer schnelle Effekte sucht, wird das Ding nach dem Aussäen liegen lassen. Gelingt die Keimung nicht, ist der Ärger groß, und Saatgut muss man für einen zweiten Versuch nachkaufen.
Der kleinste Kasten dieser Auswahl und der günstigste: Bei OTTO steht der Elektro-Leuchtturm aus der Reihe ScienceX für rund 9,50 Euro. Kinder ab 8 bauen den Turm zusammen, legen einen Schaltkreis und bringen das Licht zum Leuchten. Ravensburger lässt seine Experimente wissenschaftlich prüfen, die Anleitung bleibt beim Wesentlichen und ist auch für Viertklässler allein zu schaffen.
Als Mitbringsel oder erster Kontakt mit Elektrik taugt das Set gut, für ein ganzes Wochenende reicht es nicht. Gebaut wird ein Modell, danach sind die Möglichkeiten erschöpft. Die Teile sind leicht und nicht für dauerndes Aus- und Wiedereinbauen gemacht, und die Erklärungen zum Stromkreis fallen knapp aus. Wer Substanz will, nimmt einen der größeren Elektro-Kästen.