Ein Melkroboter ist nach dem Stall selbst die größte Einzelinvestition im Milchviehbetrieb, und sie bindet den Hof für zehn bis fünfzehn Jahre an eine Marke. Diese Übersicht der Hersteller von Melkrobotern hilft bei genau dieser Entscheidung: Wer baut welche Technik, wie ist der Service organisiert, für welche Herdengröße ist das System gedacht?
Aufgenommen wurden Firmen, die automatische Melksysteme selbst entwickeln und bauen, nicht Händler oder Aufbereiter von Gebrauchtmaschinen. Verglichen wurden Boxenkonzept (Einzelbox, Doppelbox, gerader Durchlauf oder Winkel), Ansetztechnik und Sensorik, Stellfläche im Altbau, Kuhzahl pro Box, Softwareumfang, Ersatzteilversorgung und die Dichte des Servicenetzes im deutschsprachigen Raum. Ebenso zählte, wie viele Betriebe mit dem jeweiligen System schon Praxiserfahrung haben, denn Prospektzahlen sagen nichts über einen Ausfall am Sonntagabend.
Die Reihenfolge bestimmt die Community: Plätze entstehen aus den Stimmen der Leser, nicht aus Werbebudgets. Hersteller von Melkrobotern versprechen auf Messen viel, deshalb lohnt der Blick in die Karten, dort stehen Stärken, Schwächen und die Erfahrungen anderer Betriebe. Wer konkret plant, achtet am besten auf Serviceradius und Reaktionszeit und liest die Bewertungen von Höfen aus der eigenen Region.
Der niederländische Familienbetrieb aus Maassluis brachte 1992 den ersten Astronaut in den Stall und prägt das automatische Melken seit über 30 Jahren. Aktuell läuft der Astronaut A5 mit dem I-Flow-Konzept: die Kuh geht geradeaus durch die Box, ohne abbiegen zu müssen und braucht dafür mehr Platz. In bayerischen Auswertungen liegt Lely beim Roboterbestand mit rund einem Drittel Marktanteil vorn oder gleichauf mit DeLaval. Seit dem Verkauf der Grünlandtechnik 2017 dreht sich alles um Stallautomatisierung: Futterschieber, Einstreu, Herdenmanagement.
Passend für Betriebe, die alles aus einer Hand wollen und eine feste Betreuung schätzen, denn Wartung und Ersatzteile laufen über die Lely Center. Wer mit dem örtlichen Melktechniker arbeiten oder Teile frei einkaufen möchte, wird damit nicht glücklich. Der Preis liegt am oberen Ende, gebrauchte Astronauten sind dafür gut gefragt.
Lochfelbenstr. 31a, 89312 Günzburg
Der schwedische Konzern geht auf Gustaf de Lavals Milchzentrifuge von 1878 zurück, gehört heute zur Tetra Laval Gruppe und verkauft Melktechnik in mehr als 100 Länder. Der Boxenroboter VMS V300 kam 2018 auf den Markt, die Weiterentwicklung V310 ergänzt Sensorik für Zellzahl, Progesteron und Milchqualität. Praktiker schätzen, dass viele Bauteile aus der konventionellen Melktechnik stammen, das erleichtert die Ersatzteilbeschaffung. In deutschen Erhebungen kämpft DeLaval mit Lely um Platz eins bei den installierten Anlagen.
Für größere Herden gibt es Batch Milking, also mehrere Roboter in einer Gruppenmelkung mit festen Melkzeiten. Vertrieb und Service laufen über selbstständige Melktechnik-Fachbetriebe, was regional starke Unterschiede bedeutet: Vor dem Kauf lohnt der Anruf bei Nachbarbetrieben mit demselben Händler. Wer den vollen Datenumfang will, zahlt Zusatzmodule und Sensoren extra.
Die Düsseldorfer GEA Group führt die Melktechnik von Westfalia Surge weiter. Aktuelles Boxensystem ist der DairyRobot R9500 mit rund 5,3 m² Stellfläche, was ihn auch in umgebaute Altgebäude bringt; bis zu vier Boxen hängen an einer Versorgungseinheit. Kern der Technik ist In-Liner Everything: Zitzenreinigung, Stimulation, Melken und Dippen passieren im Melkbecher, ohne separate Vorbereitung. Dazu kommen das Mehrboxensystem MIone und das automatische Melkkarussell DairyProQ für Bestände von 40 bis weit über 1000 Kühe.
Interessant für Betriebe, die ihre Anlage später erweitern wollen und Wert auf einen Hersteller mit eigener Fertigung in Deutschland legen. Der Roboterbestand ist kleiner als bei Lely und DeLaval, rund 15 Prozent Marktanteil, entsprechend hängt viel am regionalen Servicepartner. Die Software DairyPlan bietet viel, ist aber nicht in einer Stunde erklärt.
Lemmer-Fullwood in Lohmar bei Bonn ist der deutsche Arm der Gruppe Fullwood JOZ und bietet Melk-, Kühl- und Fütterungstechnik aus einer Hand. Der Melkroboter M²erlin läuft seit rund zehn Jahren und arbeitet mit Dual Entry: die Kuh betritt eine vorgelagerte Melkbox auf direktem Weg, ohne Winkel. In Auswertungen aus Bayern kommt die Marke auf etwa 9 Prozent der installierten Roboter, damit ist sie der stärkste Verfolger der drei Großen. Ergänzend gibt es das Melkkarussell R²evolution, BatchMilking sowie Fütterungsroboter.
Der Vertrieb läuft über regionale Händler, in Süddeutschland und Österreich sind viele Anlagen mit langer Laufzeit unterwegs. Sinnvoll für Betriebe, die eine solide Maschine ohne Technikschnickschnack suchen und einen Händler in der Nähe haben. Wer nur eine dünne Händlerdecke vor Ort hat, sollte Reaktionszeiten schriftlich klären.
Oberste Höhe, 53797 Lohmar
BouMatic mit Hauptsitz in Madison, Wisconsin, baut seit den 1930er Jahren Melktechnik und entwickelt seine Roboter im niederländischen Emmeloord. Der Gemini kam 2020 auf den Markt, als All-in-One-Einheit mit integriertem Technikraum und Plug-and-Play-Installation. Beim Gemini UP liegen zwei Melkplätze nebeneinander, ein Roboterarm bedient beide Kühe zwischen den Hinterbeinen, das senkt die Kosten pro Melkplatz. Selektionstore mit zwei oder drei Wegen lassen sich in den Kuhverkehr einplanen, ein Callcenter ist rund um die Uhr erreichbar.
Die Doppelbox rechnet sich vor allem ab etwa 100 Kühen, für kleine Herden ist sie überdimensioniert. In Deutschland ist BouMatic seltener zu sehen als die Marktführer, in der Schweiz und in Belgien häufiger. Wer sich dafür entscheidet, sollte den nächsten Servicepartner kennen und nach Referenzbetrieben in Fahrweite fragen.
Die dänische A/S S.A. Christensen & Co., kurz SAC, baut seit 1938 Melkausrüstung und exportiert in mehr als 65 Länder, neben Kuhtechnik auch Anlagen für Ziegen und Schafe. Der Melkroboter RDS Futureline MAX wird steckerfertig geliefert, was die Installationszeit im Stall spürbar drückt, und lässt sich um eine zweite Box erweitern. Seit 2022 gibt es zusätzlich den Gemini powered by SAC, der auf derselben Plattform wie der BouMatic-Roboter aufbaut, beide Marken gehören inzwischen zu einer Gruppe.
Interessant für Betriebe, die klein anfangen und später aufrüsten wollen, sowie für Ziegen- und Schafhalter, die bei den großen Roboterherstellern kaum Angebote finden. In Deutschland läuft der Vertrieb über Melktechnikbetriebe, das Netz ist regional lückenhaft, in Norddeutschland und Österreich gibt es aber langjährige Anlagen.
Ndr. Havnevej 2, 6000 Kolding, Dänemark
Der Allgäuer Mittelständler aus Friesenried arbeitet unter dem Stichwort physiologische Melktechnik: Das AktivPuls-Verfahren soll das Euter schonender ausmelken als konventionelles Pulsieren. Beim Melkroboter setzt ein Industrieroboterarm die Becher an, optional bedient derselbe Arm eine zweite Box auf der anderen Seite. Die Basis stammt von Insentec, Happel vermarktet sie seit 2009 mit eigenem Melkkonzept. Neben Robotern gibt es Melkstände, Kühltechnik, Jungviehtränken und einen Service mit 24-Stunden-Bereitschaft.
Händler sitzen in Deutschland, Österreich und Italien, dazu kommt eine Schweizer Tochter in Lyssach. Passt zu Familienbetrieben, die einen direkten Draht zum Hersteller wollen und mit einem kleineren Anbieter leben können. Wer viele unabhängige Testberichte und Vergleichszahlen sucht, findet zu Happel deutlich weniger als zu den Großen.
Mühlweg 4, 87654 Friesenried
Die niederländische Hokofarm Group, früher als Insentec bekannt, entwickelt den Melkroboter Astrea 20.20 und hat mit dem Vorgänger Galaxy die Roboter mehrerer bekannter Marken beliefert. Der Astrea kommt als Plug-and-Play-Maschine und lässt sich an einem Tag anschließen. Auffällig ist die Reinigung: Nach jedem Melken werden die Becher mit heißem Dampf desinfiziert, ohne chemische Mittel. Farb- und Leitfähigkeitssensoren prüfen jedes Euterviertel auf Blut und Keime, die Daten landen im Managementprogramm Saturnus. Eine Einzelbox schafft rund 70 Kühe, eine Doppelbox etwa 130.
Der Direktvertrieb in Deutschland ist schwach, meist läuft der Verkauf über Partnerfirmen wie System Happel oder ausländische Händler. Für Betriebe, die einen sparsamen Roboter ohne Chemieverbrauch suchen, ist die Technik einen Blick wert, Namen und Referenzen sind hierzulande aber wenig bekannt.
Afimilk kommt aus dem israelischen Kibbutz Afikim und ist vor allem für Milchmengenmessung, Milchanalyse und Sensorhalsbänder bekannt. Mit Synergy hat die Firma ein automatisches Melksystem für bestehende Side-by-Side- und Parallel-Melkstände gebaut: Ein Roboterarm fährt auf einer Schiene über der Standfläche und melkt unter dem Bauch, Vorbereitung, Ansetzen und Dippen laufen automatisch. Der Melkstand bleibt, wie er ist, samt Kuhverkehr und Arbeitsablauf, eine Person kann die Melkung überwachen.
Gedacht ist das für Herden mit mehreren hundert bis einigen tausend Kühen, bei denen sich Boxenroboter kaum rechnen oder der Melkstand noch gut ist. Für Familienbetriebe mit 60 Kühen ist Synergy die falsche Baustelle. Das System ist neuer als die etablierten Boxenroboter, entsprechend gibt es bisher wenige Betriebe in Deutschland, Vertrieb und Betreuung laufen über Partner.
Der kanadische Hersteller aus Québec hat eine Nische besetzt, die die großen Marken lange ausgelassen haben: automatisches Melken im Anbindestall. Der Roboleo ging 2009 nach fünf Jahren Entwicklung in den Verkauf, die neue Generation heißt Robomax. Das Gerät fährt von Kuh zu Kuh, Bürsten reinigen und stimulieren die Zitzen, ein Laser erfasst die Position, dann hängt der Arm die Becher unter. Die Kühe bleiben stehen, es braucht keinen Umbau zum Laufstall und keine Melkbox.
Für Betriebe mit Anbindehaltung, die Arbeitszeit sparen wollen, ohne neu zu bauen, ist das die einzige serienreife Antwort. Der Haken: Verkauft wird über Händler in Kanada, den USA und Japan, ein Netz in Deutschland ist nicht bekannt, Ersatzteile kommen von weit her. Vor einer Anfrage lohnt der Blick auf die Zukunft der Anbindehaltung im eigenen Betrieb.
591 rang St-Joseph, Sainte-Monique, Québec