Ein Anzug, der wirklich sitzt, war lange eine Sache von Terminen, Kreide und Anproben. Inzwischen genügen ein Maßband, ein Konfigurator und ein paar Wochen Wartezeit: Diese Übersicht sammelt Onlineshops für Maßanzüge, die nach Körpermaß fertigen und nach Deutschland liefern. Gedacht ist sie für alle, die von der Stange nichts Passendes finden, für Bräutigame mit klarer Vorstellung und für Berufstätige, die den zweiten Businessanzug ohne Ladenbesuch brauchen.
Verglichen wurden dabei die Punkte, an denen sich Maßkonfektion wirklich entscheidet: Einstiegspreis für den zweiteiligen Anzug, Umfang und Qualität der Stoffauswahl, Art der Maßaufnahme (Selbstmessung mit Anleitung, App, 3D-Scan oder Probeanzug), Passgarantie und wer die Änderungskosten trägt, Lieferzeit, Produktionsort samt möglicher Einfuhrabgaben sowie die Frage, wie gut der Support erreichbar ist. Onlineshops für Maßanzüge unterscheiden sich hier deutlich stärker, als in der Werbung sichtbar wird.
Die Reihenfolge bestimmt niemand in der Redaktion, sondern die Stimmen der Community, deshalb kann sich das Bild von Woche zu Woche verschieben. In den Karten stehen Vorteile und Nachteile bewusst nebeneinander, dazu die Erfahrungen anderer Leser. Wer bestellt, sollte beides lesen und danach entscheiden, welcher Kompromiss aus Preis, Stoff und Service zu ihm passt.
Hockerty verkauft seit 2008 ausschließlich online Kleidung nach Maß und hat nach eigenen Angaben über 250.000 Kunden ausgestattet. Der Konfigurator gehört zu den ausführlichsten im deutschsprachigen Netz: Revers, Taschenformen, Futterfarben, Knopfmaterial, Weste mit Revers, dazu mehrere Hundert Stoffe. Genäht wird erst nach Bestellung, Anzüge starten im niedrigen dreistelligen Bereich, Hemden ab rund 49 Euro, Stoffproben lassen sich vorab anfordern.
Sinnvoll ist der Shop für Leute, die Spaß an Details haben und ihre Maße mit Anleitung selbst nehmen. Wer reine Schurwolle ohne Kunstfaseranteil oder ein sehr breites Revers will, muss die Stoffbeschreibungen genau lesen und stößt öfter an Grenzen. Telefonisch ist niemand erreichbar, Rückfragen laufen über Formular, Chat und E-Mail, die Antwort kann ein paar Tage dauern.
VESTURO ist ein Hamburger Label mit Showrooms in Hamburg, München und Wien, das Maßhemden ab 119 Euro und Maßanzüge ab 599 Euro anbietet. Die Maße lassen sich über die eigene App erfassen, danach wird online konfiguriert und bestellt, die Manufaktur fertigt in etwa vier bis sechs Wochen. Wer möchte, bucht stattdessen einen kostenlosen Termin und wird klassisch vermessen.
Der Weg über die App richtet sich an Kunden, die kein Atelier in der Nähe haben, aber nicht allein mit dem Maßband hantieren wollen. Die Preise liegen über den Billiganbietern, dafür sind Stoffe und Verarbeitung eine Stufe gehobener. Das Sortiment bleibt auf Business- und Anlassgarderobe konzentriert, exotische Extras wie Maßschuhe fehlen, und die Wartezeit ist für spontane Anlässe zu lang.
Hamburg, Altstädter Straße 13
Mond ist ein dänisches Label, das seine Maßkleidung in Europa nähen lässt und seit Dezember 2021 einen Store in der Hamburger Rathausstraße betreibt. Bestellt wird online über ein gespeichertes Maßprofil, im Laden gibt es dafür einen kostenlosen 3D-Bodyscan. Die Stoffangaben sind ungewöhnlich transparent: italienische Super 130s mit 310 Gramm, dazu eine schwerere Super 150s Qualität mit 350 Gramm für den ganzjährigen Einsatz.
Wer Wert auf europäische Fertigung, sauberen Fall und nordisch reduzierte Schnitte legt, ist hier besser bedient als bei den Asien-Anbietern. Preislich spielt Mond in der oberen Mitte, Sonderwünsche jenseits des Standardprogramms sind begrenzt. Die deutschen Seiten sind teilweise aus dem Englischen übersetzt, einzelne Texte lesen sich holprig, die Beratung per Chat gleicht das meist aus.
Hamburg, Rathausstraße 9
Maßmacher verbindet einen Laden in Freiburg am Schwabentor mit einem Onlineshop, in dem Anzüge, Hochzeitsanzüge, Sakkos, Westen, Hemden und sogar Schuhe nach Maß bestellt werden. Bezahlt wird bequem per Klarna, es gibt ein Hemden-Abo und Maßkleidung für Damen und Herren. Die Auswahl an Stoffkombinationen und Designvarianten ist groß, Beratung läuft persönlich oder aus der Ferne.
Für Kunden im Südwesten ist die Mischung praktisch: online konfigurieren, im Zweifel im Store vermessen lassen. Erreichbar ist das Team unter +49 761 4296 2029 und [email protected], was bei reinen Internetanbietern die Ausnahme bleibt. In Bewertungen tauchen allerdings auch kritische Stimmen zu Preis-Leistung und Service auf, ein Blick auf Stoffpreis und Endsumme lohnt sich also vor der Bestellung.
Freiburg im Breisgau, Store am Schwabentor
Massanzug-online arbeitet seit Jahren mit einem eigenen Konfigurator und deckt Herren wie Damen ab: Anzüge, Hosenanzüge, Smokings, Sakkos, Westen, Hemden und Blusen. Die Stoffliste ist erfreulich konkret beschrieben, von Merinowolle über Cashmere-Mischungen bis zu Tweed, Cord, Leinen und klassischem Glencheck. Parallel laufen Länderversionen für Österreich und die Schweiz, dort beginnen Anzüge bei rund 309 Franken.
Punkten kann der Shop bei der Nacharbeit: Kunden berichten von einer deutschen Änderungsadresse und kostenloser Korrektur, etwa bei zu kurz gemessener Hosenlänge. Die Oberfläche wirkt dagegen altmodisch, Bilder und Vorschau bleiben hinter moderneren Anbietern zurück. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, bekommt Maßarbeit mit vergleichsweise viel Stoffkompetenz.
Tailor Store kommt aus Schweden, existiert seit 2003 und lässt in eigenen Nähereien in Sri Lanka fertigen, was in dieser Preisklasse selten ist. Bekannt wurde die Firma mit Maßhemden ab 79 Euro, im deutschsprachigen Shop stehen inzwischen auch Sakkos und Anzüge nach Maß zur Wahl. Auf jedes Kleidungsstück gibt es eine Passgarantie, geändert oder neu genäht wird bei Fehlpassung ohne Zusatzkosten.
Der Shop passt zu Bestellern, die Wert auf faire Produktionsbedingungen und einfache Bedienung legen und dafür eine überschaubare Auswahl akzeptieren. Wer Wollqualitäten mit klingenden Webereinamen und Dutzende Konstruktionsvarianten sucht, findet bei spezialisierten Anzugschneidern mehr. Das Hemdenprogramm bleibt sichtbar das Herzstück, Anzüge sind die Ergänzung.
Oliver Wicks ist ein reiner Onlineanbieter, der Maßanzüge in Europa nähen lässt und dabei Wollstoffe italienischer Webereien wie Vitale Barberis Canonico und Reda verwendet. Ungewöhnlich für die Preisklasse: Sakkos sind mindestens halb, auf Wunsch voll durchgearbeitet, das Revers rollt also weich statt verklebt zu wirken. Bestellung und Maßeingabe laufen geführt über die Website, ausgeliefert wird nach etwa 30 Tagen.
Der Anbieter lohnt sich für Käufer, die Konstruktion und Stoffherkunft wichtiger finden als den letzten Euro. Änderungen beim örtlichen Schneider werden ein Jahr lang übernommen, Versand und erste Rücksendung sind frei. Nachteile: Die Seite gibt es nur auf Englisch, Preise werden in Dollar ausgewiesen, und persönliche Anproben sind nicht möglich.
iTailor betreibt einen deutschsprachigen Shop mit 3D-Designer, in dem Sakko, Weste und Hose einzeln durchkonfiguriert werden, inklusive Kragenformen, Bundfalten und Monogramm. Produziert wird in Thailand, die Familie hinter dem Betrieb schneidert nach eigener Darstellung seit über vier Jahrzehnten. Käufer berichten von etwa drei bis vier Wochen Lieferzeit und von günstigen Preisen für Anzug plus Hemd.
Attraktiv ist das für preisbewusste Besteller, die Erfahrung mit Selbstvermessung haben. Der Haken liegt im Kleingedruckten: Weil jedes Stück individuell entsteht, gibt es laut Vertragsbedingungen keine Rückerstattung, und beim Versand aus Thailand können Einfuhrumsatzsteuer und Zoll dazukommen, in Kundenberichten bis zu rund 80 Euro. Wer das einrechnet, erlebt weniger Überraschungen.
Sumissura ist das Damenlabel derselben Gruppe, die hinter Hockerty steht, und schneidert seit 2013 Hosenanzüge, Blazer, Blusen, Kleider und Mäntel nach Maß. Ein Damen-Businessanzug beginnt bei etwa 199 Euro, feinere Stoffe landen bei rund 300 Euro. Bestellt wird komplett online: Maße eingeben, Stoff wählen, Futter, Knöpfe und Schnittdetails festlegen, danach wird das Teil einzeln gefertigt.
Gerade für Frauen, die bei Konfektionsgrößen zwischen zwei Nummern hängen, ist das eine der wenigen bezahlbaren Optionen im Netz. Wer eine Anprobe braucht, findet sie nicht: Es gibt keine Filialen, alles hängt an der Sorgfalt beim Messen. Auch hier fehlt eine Telefonnummer, Kontakt läuft über [email protected] und Formular, Nacharbeiten kosten Zeit für Hin- und Rückversand.
Maßschneiderhaus positioniert sich am unteren Ende der Preisskala: Der Einstieg für einen Anzug nach Maß liegt bei etwa 188 Euro, die Fertigung dauert im Schnitt zwei bis drei Wochen. Bestellt wird direkt im Konfigurator, Design, Stoff und Details wählt der Kunde Schritt für Schritt. Für Unsichere gibt es einen Probeanzug zur Kontrolle der Maße, dazu eine Zusage auf perfekten Sitz.
Interessant ist der Shop für Hochzeitsgäste, Abschlussfeiern und alle, die einen ordentlich sitzenden Zweiteiler brauchen, ohne vierstellig zu investieren. Die Produktion sitzt in China, entsprechend sollte man bei Stoffgewicht und Innenverarbeitung genau hinsehen und keine Handarbeit im Sinne klassischer Maßschneiderei erwarten. Zur Firma selbst sind öffentlich nur wenige Informationen zu finden.