Wer die eigene Herkunft ernsthaft prüfen will, braucht Quellen und keine Versprechen. Diese Übersicht richtet sich an Einsteiger und an Fortgeschrittene, die bei Kirchenbüchern, Standesamtsregistern oder Auswandererlisten festhängen und wissen wollen, welche Anbieter für Ahnenforschung tatsächlich weiterhelfen. Sie sortiert, wo Digitalisate liegen, wo es nur Namensindizes gibt und wo Vereine Material kostenlos bereitstellen.
Aufgenommen wurden Portale, Kirchenbuchdienste und Vereinsdatenbanken mit deutschsprachigem Zugang. Verglichen wurden Umfang und regionale Abdeckung der Bestände, der Anteil kostenfreier Inhalte, Preise und Laufzeiten der Zugänge, Qualität der Register, Lesbarkeit der Scans, Download- und Exportrechte sowie der Umgang mit personenbezogenen Daten. Wer Geld verlangt, muss belegen, was er dafür liefert; wer ehrenamtlich arbeitet, wird an der Zuverlässigkeit seiner Angaben gemessen.
Die Reihenfolge legt keine Redaktion fest: über die Plätze entscheiden die Stimmen der Community. In den Karten stehen Stärken und Schwächen jedes Dienstes, dazu Erfahrungsberichte von Nutzern, die Abrechnung, Support und Datenqualität aus der Praxis kennen. Sinnvoll bleibt ohnehin die Kombination mehrerer Anbieter für Ahnenforschung, weil kein Bestand allein alle Regionen und Konfessionen deckt.
Die weltweit größte kommerzielle Genealogieplattform, in Deutschland mit eigener Länderseite. Der Bestand geht nach Anbieterangaben über 20 Milliarden Dokumente und Bilder hinaus, für deutschsprachige Regionen sind allein rund 698 Millionen Einträge aus Personenstandsregistern erfasst, dazu Kirchenbücher, Adressbücher, Auswandererlisten und Militärunterlagen. Abgerechnet wird im Abo: Deutschland Premium liegt bei etwa 13 Euro im Monat, das Halbjahrespaket bei 59,94 Euro, die weltweite Variante deutlich darüber. Zwei Wochen lassen sich kostenlos testen.
Sinnvoll für alle, deren Linien ins Ausland führen, besonders in die USA, weil dort Volkszählungen und Passagierlisten vollständig indexiert sind. Wer nur in einer deutschen Region forscht, prüft besser vorher, ob die zuständigen Kirchenbücher enthalten sind. Treffer aus fremden Stammbäumen sind Hinweise, keine Belege.
Israelischer Anbieter, 2003 gegründet, Sitz in Or Yehuda. Im Januar 2025 meldete das Unternehmen 33 Milliarden historische Aufzeichnungen; monatlich kommen neue Sammlungen dazu, darunter Zeitungsarchive und deutsche Standesamtsbestände. Bekannt ist die Plattform für die automatischen Abgleiche: Smart Matches vergleichen Stammbäume anderer Nutzer, Record Matches verknüpfen Personen mit Dokumenten. Kleine Stammbäume bis 250 Personen bleiben kostenlos, dazu kommen Fotowerkzeuge zum Kolorieren und Animieren alter Aufnahmen.
Die Abostruktur verlangt Aufmerksamkeit: Premium und PremiumPlus betreffen nur die Familienseite, historische Aufzeichnungen erschließt erst das Datenabo, beides zusammen nur das Komplettpaket. Wer das übersieht, zahlt und sieht keine Urkunden. Passend für Forscher mit Verwandtschaft in mehreren Ländern und für alle, die Kontakte zu anderen Stammbaumbesitzern suchen.
Gemeinnütziges Angebot der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die einzige Adresse dieser Größe, die nach einer Registrierung nichts kostet. Die Sammlung reicht über Milliarden Namen aus mehr als hundert Ländern, für Deutschland zählen vor allem die seit den 1940er Jahren verfilmten Kirchenbücher sowie Zivilstandsregister. Ergänzt wird das durch einen gemeinsamen Weltstammbaum, den Katalog der verfilmten Bestände und die Wiki-Artikel zu Ortsrecherche und Schriftkunde.
Der Haken liegt bei den Rechten: viele Digitalisate sind wegen Vereinbarungen mit den Archiven nur in einem Family History Center oder in einer Partnerbibliothek einsehbar. Die Indizes entstanden teils in Massenverfahren, Lesefehler sind häufig, deshalb gehört jeder Treffer am Originalbild geprüft. Der gemeinsame Stammbaum ist offen, fremde Nutzer können eigene Eintragungen ändern.
Das Kirchenbuchportal der evangelischen Kirche, betrieben von der Kirchenbuchportal GmbH in Stuttgart, die 2013 von der EKD und elf Landeskirchen gegründet wurde und seit 2015 online ist. Die Recherche im Register der vorhandenen Bücher ist kostenlos, für die Digitalisate braucht es einen Pass: der Monatspass kostet 19,90 Euro und erlaubt 50 Downloads, für Dauerforscher gibt es einen Jahrespass. Gezeigt werden Originalseiten in guter Auflösung, die Rechte bleiben bei den Archiven.
Für evangelische Vorfahren in Deutschland ist das die kürzeste Strecke zwischen Wohnzimmer und Kirchenbuch, gerade wenn die Anreise ins Landeskirchliche Archiv weit wäre. Vorausgesetzt wird allerdings Übung im Lesen von Kurrent und Sütterlin, denn eine Namenssuche in den Büchern fehlt, geblättert wird Seite für Seite. Katholische Bestände sind hier nicht zu erwarten.
Kostenloses Kirchenbuchportal, 2008 in St. Pölten gestartet und heute vom Wiener Verein ICARUS betreut. Zugänglich sind überwiegend katholische Matriken aus mehreren Ländern, neben Deutschland und Österreich auch Polen, Serbien, Luxemburg und Bosnien-Herzegowina. Deutsche Bistümer stellen laufend nach, das Bistum Aachen begann 2021 mit 400 Büchern aus 100 Pfarreien. Für die Nutzung ist keine Registrierung erforderlich, die Scans lassen sich seitenweise ansehen und über die geografische Suche nach Pfarreien finden.
Der Aufbau ist archivisch gedacht: gesucht wird nach Bistum, Pfarre und Buch, nicht nach Personennamen. Wer den Wohnort der Vorfahren kennt, kommt damit weit; wer nur einen Familiennamen hat, braucht ergänzende Indizes von Vereinen oder Portalen. Der Bestand ist nach Diözese sehr ungleich, manche Regionen fehlen bislang vollständig.
Der Verein für Computergenealogie ist mit rund 4.200 Einzelmitgliedern und über 50 Mitgliedsvereinen die größte genealogische Vereinigung des Landes und stellt seine Datenbestände unter genealogy.net frei bereit. Dazu gehören GEDBAS mit hochgeladenen Stammbaumdaten, das Geschichtliche Ortsverzeichnis GOV, hunderte Ortsfamilienbücher, digitalisierte Adressbücher, Grabsteinfotos, die Verlustlisten des Ersten Weltkriegs und das Daten-Eingabe-System, in dem Freiwillige Quellen gemeinsam erschließen.
Wer Namen und Orte einkreisen will, bevor er für Digitalisate zahlt, beginnt sinnvoll hier, zumal die Metasuche mehrere Datenbanken gleichzeitig abfragt. Erwarten sollte man keine Kirchenbuchbilder und keine glatte Oberfläche: die Projekte sind über Jahre gewachsen, sehen unterschiedlich aus und leben von Ehrenamt. Belege liefern viele GEDBAS-Einträge nicht mit.
Französisches Portal von 1996, seit 2021 zum Ancestry-Konzern gehörend, mit deutschsprachiger Version. Das Modell ist Freemium: Stammbaum anlegen, eigene Daten veröffentlichen, in den Bäumen anderer Nutzer nach Vor- und Nachnamen suchen und Kontakt aufnehmen kostet nichts. Premium, im Jahresabo bei etwa 55 Euro, öffnet feinere Suchparameter wie Beruf, Partner oder Namensvarianten und den unbegrenzten Zugriff auf hochgeladene Dokumente, Bildarchive und die digitale Bibliothek.
Die Stärke liegt bei Frankreich, Belgien und den früheren Kolonialgebieten, weshalb sich das Portal vor allem für Linien lohnt, die über den Rhein oder nach Elsass-Lothringen führen. Deutsche Quellen sind dünner besetzt als bei den großen Wettbewerbern, und die Datenqualität schwankt, weil das Meiste von Privatforschern eingestellt wird. Übersetzungen der Oberfläche sind stellenweise holprig.
Datenbanksammlung des Wiener Berufsgenealogen Felix Gundacker, seit Januar 2010 online und nach Registrierung kostenlos. Angeboten werden Namensindizes, die Ahnenforscher und Historiker selbst erstellt haben: Matrikenindizes, Trauungs- und Sterbelisten, jüdische Register, Schulmatriken und Ortsverzeichnisse. Bereits 2014 zählte die Plattform über zehn Millionen Datensätze, seither ist die Sammlung deutlich gewachsen; eine Gesamtsuche findet seltene Familiennamen quer über alle Bestände.
Der Schwerpunkt liegt auf Wien, Österreich und den ehemaligen Kronländern, also Böhmen, Mähren, Ungarn und Galizien. Das hilft allen, deren Vorfahren aus dem Donauraum nach Deutschland kamen, und nützt wenig bei rein norddeutschen Linien. Geboten werden Indizes, keine Scans; der Fund muss anschließend im Original geprüft werden, wofür die Datenbank Buch und Seite nennt.
Am 19. Mai 1922 gegründeter Verein mit Sitz in München, zuständig für Familienforschung in Altbayern und Bayerisch-Schwaben. Der BLF pflegt eine eigene Ahnendatenbank, deren Bestand die Marke von 200.000 Datensätzen überschritten hat, dazu ein Rechercheportal für Familienanzeigen, genealogische Nachlässe und zwei Vereinsbibliotheken in München und Augsburg. Vorträge der Bezirksgruppen werden seit 2020 aufgezeichnet und stehen auf dem Vereinskanal, inzwischen mehr als 80 Aufnahmen.
Wer bayerische Vorfahren sucht, findet hier Wissen, das kein großes Portal ersetzt: Kenntnis über Hausnamen, Berufsbezeichnungen und den Verbleib von Beständen. Ein Teil des Angebots, etwa Bibliothek und Zeitschrift, setzt Mitgliedschaft voraus, der Beitritt läuft klassisch über ein Formular. Kirchenbuchbilder liefert der Verein nicht, er weist den Weg zu ihnen.
1913 in Köln gegründet und mit über 2.400 Mitgliedern die größte regionale genealogische Vereinigung Deutschlands. Das Arbeitsgebiet umfasst die Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln sowie Koblenz und Trier, gegliedert in Bezirksgruppen mit eigenen Bibliotheken und Sprechstunden. Bekannt ist die WGfF für ihre Ortsfamilienbücher, in denen Kirchenbücher ganzer Gemeinden ausgewertet und nach Familien geordnet sind, gedruckt und zunehmend digital; die Mitgliederzeitschrift erscheint vierteljährlich.
Für Recherchen im Rheinland und in Rheinland-Pfalz sind diese Bücher oft die schnellste Abkürzung, weil dort schon geleistete Auswertungsarbeit vorliegt, die kein Abo ersetzt. Außerhalb des Arbeitsgebiets bringt der Verein nichts, und der volle Zugriff auf Publikationen ist an die Mitgliedschaft gebunden. Die Kontaktaufnahme läuft über die Bezirksgruppen und ist eher altmodisch organisiert.