Wer einmal bei Starkregen auf einer Baustelle stand oder mit dem Rad in ein Gewitter geraten ist, weiß, wie viel eine rechtzeitige Push-Nachricht wert ist. Diese Übersicht sammelt Apps für Unwetterwarnungen, die in Deutschland zuverlässig melden, wenn Sturm, Hagel, Glatteis oder Hochwasser anrollen. Gedacht ist sie für Pendler, Handwerkerinnen, Gartenbesitzer und alle, die ihre Planung vom Wetter abhängig machen müssen.
In die Auswahl kamen nur Apps, die für ganz Deutschland funktionieren und echte Warnungen mit Push liefern, nicht bloß eine Vorhersage. Verglichen wurden Herkunft der Daten, also amtliche Warnungen des DWD oder eigene Meteorologie, die Genauigkeit der Warngebiete bis auf Gemeinde oder Postleitzahl, Einstellbarkeit der Warnstufen, Kosten inklusive Abos und In-App-Käufen, Werbung und Umgang mit Standortdaten. Auch der Punkt Akku und Zuverlässigkeit der Benachrichtigungen spielt eine Rolle.
Die Reihenfolge macht nicht die Redaktion, sondern die Community: Jede Stimme verschiebt die Plätze. In den Karten stehen Vorteile und Schwächen jeder App nebeneinander, dazu Erfahrungsberichte von Leuten, die die Warnungen im Alltag nutzen. Wer Apps für Unwetterwarnungen vergleicht, sollte am Ende zwei installieren: eine amtliche und eine mit gutem Radar.
Die amtliche App des Deutschen Wetterdienstes zeigt die Warnlage für ganz Deutschland bis auf Gemeindeebene: farbige Warnkarte, Detailtexte zu jeder Warnung, dazu Warnungen vor Naturgefahren wie Hochwasser, Sturmflut und Lawinen sowie Küsten- und Seewarnungen für Bodensee und bayerische Seen. Auch die vorhergesagten Zugbahnen von Gewitterzellen sind drin. Die Grundversion ist kostenlos und ohne Werbung, zusätzliche Karten und Messwerte kosten per In-App-Kauf.
Push lässt sich pro Favoritenort und pro Warnstufe einstellen, so klingelt nicht jede gelbe Windwarnung mitten in der Nacht. Wer amtliche Warnungen ohne Umweg will, ist hier richtig. Wer eine hübsche Oberfläche und Weltwetter sucht, wird enttäuscht: Die Bedienung wirkt behördlich, der Vorhersageteil ist nüchtern, und im Store hagelt es regelmäßig Kritik an der Trefferquote der Ortsprognose.
Die Warn-App des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe läuft seit 2015 und hat rund neun Millionen Nutzer. NINA hängt am Modularen Warnsystem des Bundes, also an denselben Kanälen, über die Leitstellen, Länder und Kommunen warnen. Neben Unwetterwarnungen des DWD kommen Hochwasserinformationen, Gefahrstoffaustritte, Bombenfunde und Notfalltipps an. Seit 2024 gibt es Hochwasserinfos regional statt für ganze Bundesländer, Inhalte laufen in sieben Fremdsprachen und in Leichter Sprache, Screenreader werden unterstützt.
Sinnvoll für alle, die Unwetter und andere Gefahrenlagen in einer App bündeln wollen, besonders in Regionen mit Hochwasserlagen. Als Wetter-App taugt NINA nicht: keine Vorhersage, kein Radarfilm, keine Temperaturkurve. Und wie gut die lokalen Meldungen sind, hängt davon ab, wie fleißig die eigene Leitstelle einspeist.
KATWARN kommt vom Fraunhofer-Institut FOKUS und wird im Auftrag der öffentlichen Versicherer betrieben, kostenlos für die Bevölkerung. Gewarnt wird postleitzahlgenau: Man abonniert Orte oder lässt sich am aktuellen Standort warnen, dazu kommen Verhaltenshinweise der Behörden. Neben Unwetterwarnungen laufen Großbrände, Chemieunfälle, Trinkwasserprobleme und Suchmeldungen über das System. Wer kein Smartphone nutzen will, kann Warnungen per SMS und E-Mail abonnieren.
Praktisch ist die Kombination aus amtlicher Wetterwarnung und kommunaler Meldung im selben Kanal. Der Haken: Die lokale Abdeckung hängt daran, ob Landkreis oder Stadt bei KATWARN mitmacht, sonst bleiben nur die überregionalen Warnungen. Optisch ist die App schlicht, Vorhersagefunktionen fehlen komplett, und wer schon NINA nutzt, bekommt viele Meldungen doppelt.
BIWAPP steht für Bürger Info und Warn App und wird von der Marktplatz Design und Software GmbH aus Lüneburg betrieben. Die Meldungen kommen direkt von Katastrophenschutzbehörden, Kommunen und Kreisen, sortiert nach Themen: Schulausfall, Verkehrsunfall, Feuer, Hochwasser, Bombenentschärfung, allgemeine Warnungen. Man wählt Orte und Kategorien einzeln aus und entscheidet, was per Push kommt. Die Nutzung ist kostenlos.
Stark ist die App bei sehr lokalen Themen, etwa Schulausfall wegen Glatteis oder gesperrten Straßen nach Sturm, weil die Kommune selbst sendet. Genau da liegt aber auch die Schwäche: In Regionen ohne angeschlossene Behörde bleibt es still. Meteorologische Extras wie Radar oder Prognose gibt es nicht, BIWAPP ist reiner Warnkanal und ergänzt eine klassische Wetter-App, ersetzt sie nicht.
Der Bonner Wetterdienst ist seit 1996 aktiv und betreibt eine der meistgenutzten deutschen Wetter-Apps. Unwetterwarnungen kommen als Push für gespeicherte Orte oder den Standort, dazu das bekannte RegenRadar mit Vorhersage der nächsten anderthalb Stunden, WetterRadar mit Blitzen und Niederschlagsart sowie eigene Prognosen und Videos der Meteorologen. Die App ist kostenlos, ein Abo entfernt Werbung und schaltet erweiterte Kartenlayer frei.
Für den Alltag ist die Kombination aus Warnung und Radarbild praktisch: Man sieht, ob die Zelle wirklich über den eigenen Ort zieht oder daneben. In der Gratisversion nerven Werbebanner, und Tests bemängeln die Datenweitergabe an Dritte sowie fehlende Transparenz zu den genutzten Wettermodellen. Wer Wert auf Datensparsamkeit legt, fährt mit einer amtlichen App besser.
wetter.com aus Konstanz gehört zu den bekanntesten deutschen Wetterportalen und liefert die passende App dazu. Unwetterwarnungen und Wetter-News kommen per Push, einzeln einstellbar in den Benachrichtigungsoptionen, dazu Regenradar, 16-Tage-Trend, stündliche Vorhersage, Pollenflug und tägliche Wettervideos. Für gespeicherte Orte lässt sich festlegen, ob nur Warnungen oder auch Prognoseänderungen gemeldet werden.
Die App richtet sich an Leute, die neben der Warnung gleich die komplette Wochenplanung sehen wollen. Wer es reduziert mag, wird mit der Menge an Inhalten und Anzeigen wenig glücklich: Ohne Abo läuft viel Werbung, und beim Tracking schneiden die kommerziellen Anbieter in Vergleichen schlechter ab als DWD-Angebote. Die Warnungen selbst basieren im Kern auf amtlichen Daten.
Hinter wetter.net steckt die Q.met GmbH aus Wiesbaden, bekannt durch die Wettervideos von Dominik Jung. Die App gibt es kostenlos, sie bringt Wetter- und Unwetterwarnungen für den eigenen Standort, Regenradar mit Live-Niederschlag, stündliche Werte, 14-Tage-Trend, Pollenflug samt Kalender, Biowetter und die täglichen Videos. 2025 wurde die App komplett neu aufgesetzt, Karten gibt es auch für Österreich und die Schweiz.
Interessant für alle, die Wetterlagen gern erklärt bekommen statt nur Symbole zu sehen, und für Allergiker wegen des Pollenteils. Der Anbieter ist kleiner als DWD oder WetterOnline, entsprechend schlanker sind Kartenmaterial und Detailtiefe. Die neue Version hatte nach dem Start Kinderkrankheiten, und Warnungen erscheinen nicht so fein abgestuft wie in der amtlichen WarnWetter-App.
Windy kommt von der tschechischen Windyty SE und ist bei Seglern, Piloten, Kitern und Wetterfans beliebt. Die App zeigt animierte Karten aus mehreren Modellen, darunter ECMWF, GFS und ICON, dazu Radar, Satellit, Blitzortung, Böenprognose und Gewitterparameter. Eigene Alarme lassen sich auf Schwellenwerte setzen, etwa Windgeschwindigkeit, Niederschlagsmenge oder Temperatur, ergänzt um offizielle Wetterwarnungen für den gewählten Ort. Basisnutzung kostenlos, Premium bringt häufigere Updates und längere Vorhersagen.
Für technisch interessierte Nutzer ist das die spannendste App im Feld, weil man Modelle direkt vergleichen kann. Für den schnellen Blick vor dem Losfahren ist sie zu voll: viele Layer, viele Einstellungen, englische Fachbegriffe. Amtliche deutsche Warntexte mit Verhaltenshinweisen ersetzt Windy nicht.
meteoblue ist ein Spin-off der Universität Basel und rechnet eigene Vorhersagen aus mehreren physikalischen Modellen, die per Multimodell-Verfahren kombiniert werden. Die App ist kostenlos, Werbung lässt sich per Abo abschalten. Offizielle Wetterwarnungen kommen als Push-Benachrichtigung, dazu gibt es rainSPOT für Niederschlag in der Umgebung, Meteogramme, Satelliten- und Radararchiv der letzten 24 Stunden, Widgets, mehr als 20 Sprachen und eine Apple-Watch-Version.
Passt für alle, die genauer hinschauen wollen: Modellvergleich, Windprofile und Punktvorhersagen für beliebige Koordinaten sind stärker als bei den meisten Massen-Apps. Wer nur eine schnelle Warnung braucht, findet die Oberfläche mit Diagrammen und Fachbegriffen überladen. Die Warnungen selbst stammen von den nationalen Diensten, meteoblue reicht sie durch statt eigene Unwetterwarnungen auszusprechen.
Der US-Anbieter aus State College existiert seit 1962 und ist mit seiner App auch in Deutschland weit verbreitet. Gewarnt wird per Push, inklusive der amtlichen Warnungen für den Standort, dazu kommen MinuteCast mit minutengenauer Niederschlagsprognose für die nächste Stunde, Radarkarten, 45-Tage-Trend und Luftqualität. Die Grundversion ist kostenlos, ein Abo entfernt Werbung und schaltet Zusatzkarten frei.
Sinnvoll vor allem für Leute, die viel im Ausland unterwegs sind, weil die Abdeckung weltweit gleich gut aufgebaut ist. In deutschen Vergleichstests fällt die App durch viele Werbeflächen und umfangreiche Datenweitergabe negativ auf, außerdem ist nicht transparent, welche Modelle hinter den Prognosen stecken. Für rein deutsche Warnlagen liefern die amtlichen Apps schnellere und detailliertere Texte.