Eine antike Armbanduhr wechselt selten im Laden den Besitzer, meistens läuft der Weg über eine Auktion. Diese Übersicht sammelt Auktionshäuser für antike Armbanduhren, vom reinen Uhrenspezialisten bis zum regionalen Kunstauktionshaus mit eigener Uhrenabteilung. Gedacht ist sie für zwei Gruppen: für Sammler auf der Suche nach einer bestimmten Referenz und für Erben, die eine Schachtel alter Uhren im Schrank gefunden haben.
Bei der Auswahl zählte Handfestes: Fachexperten oder Uhrmacher im Haus, ehrliche Zustandsberichte samt Hinweis auf Servicespuren und ausgetauschte Teile, nachvollziehbare Schätzpreise, Höhe von Aufgeld und Einlieferungsprovision, Livebieten im Netz, Versand und Zollabwicklung bei Adressen in der Schweiz. Ebenso wichtig war die Bandbreite: manche Häuser starten bei dreistelligen Summen, andere legen erst los, wenn eine Patek Philippe im Katalog steht.
Die Reihenfolge bestimmt nicht die Redaktion, sondern die Stimmen der Community, deshalb verschieben sich die Plätze mit jeder neuen Bewertung. In den Karten stehen Vorteile und Nachteile direkt untereinander, dazu die Erfahrungen anderer Nutzer mit Bezahlung, Versand und Reklamationen. Wer einliefern möchte, liest am besten zuerst die Minuspunkte und fragt die Provision schriftlich ab.
Das Haus versteigert seit 1974 ausschließlich Uhren, gegründet von Helmut Crott, heute geführt von Stefan Muser am Friedrichsplatz in Mannheim. Pro Jahr laufen zwei große Katalogauktionen, im Frühjahr und im Herbst, davor gibt es Vorbesichtigung in den eigenen Räumen. Den Ruf machen die Kataloge: Referenznummer, Kaliber, Fotos von Werk und Zifferblatt, Angaben zu späteren Teilen und Restaurierungen.
Sinnvoll für Sammler, die eine seltene Chronographenreferenz oder eine frühe Rolex mit Papieren suchen und auf saubere Provenienz achten. Wer eine schlichte Vintage-Uhr für ein paar Hundert Euro will, ist hier falsch, das Preisniveau liegt deutlich darüber. Einlieferungen werden vorab geprüft, angenommen wird längst nicht jede Uhr.
Friedrichsplatz 19, 68165 Mannheim
1707 in Wien gegründet und damit eines der ältesten Auktionshäuser Europas, mit eigener Abteilung für Armband- und Taschenuhren. Versteigert wird im Palais Dorotheum in der Dorotheergasse, mehrmals im Jahr, dazwischen laufen Onlineauktionen. Kataloge, Bedingungen und Beratung gibt es auf Deutsch, geboten wird im Saal, telefonisch, schriftlich oder live über die Website.
Die Spanne reicht von der gebrauchten Omega im dreistelligen Bereich bis zur Patek Philippe mit fünfstelliger Schätzung, deshalb lohnt der Katalog auch für Einsteiger. Käufer aus Deutschland sollten rechnen: Aufgeld, Steueranteil und Versand ab Österreich kommen zum Zuschlag dazu. Standorte in Deutschland nehmen Uhren für die Wiener Auktionen an.
Dorotheergasse 17, 1010 Wien, Österreich
Genfer Auktionshaus, 1974 gegründet, das seit Jahrzehnten nur Uhren versteigert und Sammlerpreise mitgeprägt hat. Die Auktionen finden vor allem in Genf statt, dazu kommen Termine in Monaco, Hongkong und New York, gesteigert wird international per Livebieten. Für den deutschsprachigen Raum gibt es ein Büro in München in der Widenmayerstraße, das Uhren begutachtet und Einlieferungen aufnimmt.
Interessant für alles, was selten und teuer ist: frühe Taucheruhren, komplizierte Kaliber, Militäruhren mit Dokumentation. Wer nur eine Uhr aus dem Nachlass verkaufen will, stößt eher an die Annahmegrenzen, kleine Lose passen selten ins Programm. Beim Kauf aus Deutschland kommen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer auf den Zuschlag.
Rue du Mont-Blanc 3, 1201 Genf, Schweiz
Stuttgarter Familienbetrieb, seit über vier Jahrzehnten am Markt, mit Schwerpunkt auf Schmuck und Uhren. Auktionen finden häufiger statt als bei klassischen Kunsthäusern, dazu laufen reine Onlineauktionen mit niedrigen Startgeboten. Neben Stuttgart gibt es Standorte unter anderem in Leinfelden-Echterdingen, Baden-Baden, Überlingen, Freiburg, Reutlingen und München, dort können Uhren zur Schätzung abgegeben werden.
Praktisch für alle, die eine Vintage-Uhr schnell und ohne lange Wartezeit verkaufen wollen, alternativ nimmt das Haus Stücke auch direkt an. Sammler seltener Referenzen finden dagegen weniger Tiefe, die Beschreibungen bleiben oft kurz und Werksfotos fehlen. Genaues Hinsehen bei der Vorbesichtigung ersetzt hier den Zustandsbericht.
Sporerstraße 8, 70173 Stuttgart
Kölner Kunstauktionshaus, 1959 von Carola van Ham gegründet, heute in der Hitzelerstraße in Raderthal. Schmuck und Uhren sind eine eigene Auktionssparte, die mehrmals im Jahr an die Reihe kommt, dazwischen laufen Onlineformate. Bei Armbanduhren tauchen vor allem Klassiker von Rolex, Omega, Cartier und IWC auf, häufig aus Nachlässen und Familiensammlungen.
Angenehm ist die Nähe zum Rheinland: Vorbesichtigung vor Ort, Beratung im Haus, Abwicklung und Versand innerhalb Deutschlands. Für reine Uhrensammler ist das Angebot aber Beiprogramm, ein Katalog mit hundert Uhrenlosen ist hier nicht zu erwarten. Wer einliefern möchte, sollte den Termin der nächsten Schmuckauktion abwarten.
Hitzelerstraße 2, 50968 Köln
Münchener Kunstauktionshaus in der Barer Straße, seit 1958 unter dem Namen Neumeister tätig, geführt von Katrin Stoll. Uhren kommen in den Auktionen für Schmuck und Kunstgewerbe unter den Hammer, meist als überschaubare Serie von Losen, dafür oft mit ordentlicher Herkunftsgeschichte. Das Haus arbeitet ausgeprägt an Provenienzfragen, was bei Nachlässen aus den Kriegsjahren ein Thema ist.
Sinnvoll für Einlieferer aus dem Münchner Raum, die Uhr, Schmuck und Möbel in einem Rutsch abgeben wollen, und für Käufer, die gern im Saal mitbieten. Eine Spezialauktion nur für Armbanduhren gibt es nicht, wer bestimmte Referenzen jagt, muss die Kataloge geduldig durchsehen. Technische Details zum Werk bleiben knapp.
Barer Straße 37, 80799 München
Auktionen im Schloss Sulzburg südlich von Freiburg, Uhren und Schmuck laufen als eigene Kategorie in den Katalogauktionen mehrmals im Jahr. Das Haus bedient das Dreiländereck Deutschland, Schweiz und Frankreich, entsprechend gemischt ist das Bieterfeld. Neben Armbanduhren kommen regelmäßig Standuhren, Taschenuhren und Schmuck aus regionalen Nachlässen dazu.
Für Verkäufer aus Baden-Württemberg ein kurzer Weg mit persönlicher Schätzung vor Ort, für Käufer eine Chance auf Lose, die weniger Konkurrenz haben als in Genf oder Wien. Die Uhrenexpertise ist breit, aber nicht auf Referenzjagd ausgelegt, seltene Varianten werden nicht immer als solche erkannt. Das kann Glück oder Ärger bedeuten, je nach Seite des Tisches.
Hauptstraße 62, 79295 Sulzburg
Kunst- und Auktionshaus in Erlangen, das mehrere große Auktionen im Jahr mit sehr vielen Losen abhält, darunter regelmäßig Armband- und Taschenuhren. Die Startpreise liegen niedrig, viele Uhren beginnen zweistellig, geboten wird im Saal und live über die üblichen Auktionsportale. Der Onlinekatalog erscheint früh, mit Fotos und kurzen Zustandsangaben.
Das ist die klassische Adresse für Jäger und Sammler mit kleinem Budget: Konvolute, Uhren ohne Papiere, Reparaturobjekte für die eigene Werkstatt. Wer eine wertvolle Uhr einliefern will, erreicht hier ein anderes Publikum als bei den Spezialisten, Spitzenpreise sind seltener. Beschreibungen wie ungeprüft bedeuten wörtlich, dass niemand das Werk geöffnet hat.
Möhrendorfer Straße, 91056 Erlangen
Familienhaus in Rudolstadt in Thüringen mit mehreren Großauktionen pro Jahr, bei denen jeweils tausende Lose durchlaufen. Für Uhren gibt es einen zuständigen Fachbereich, im Angebot stehen Armbanduhren aus DDR-Produktion, Glashütter Stücke, Schweizer Klassiker und viele Taschenuhren. Kataloge erscheinen online mit Bildern, Livebieten und schriftliche Gebote sind möglich.
Für Sammler deutscher Uhrengeschichte, etwa Glashütte Original, Ruhla oder Wostok, ist das ein gutes Jagdrevier zu moderaten Preisen. Die Zustandsbeschreibungen fallen kurz aus, gelaufene Werke werden meist nicht geprüft, also Fotos genau ansehen und nachfragen. Geöffnet ist von Dienstag bis Freitag, montags bleibt das Haus zu.
August-Bebel-Straße 4, 07407 Rudolstadt
Ineichen versteigert seit 1973 in Zürich Uhren und Schmuck. Angefangen hatte das Haus mit Spielzeug, Karten und Büchern, heute stehen Sammleruhren im Mittelpunkt: Live-Auktionen am Stadthausquai und laufend Online-Auktionen mit Zeitlimit. Das Käuferaufgeld hat Ineichen abgeschafft, bezahlt wird allein der Zuschlagspreis, was bei teuren Vintage-Modellen spürbar Geld spart. Schätzungen sind kostenlos, die Experten melden sich meist innerhalb von zwei bis drei Tagen.
Interessant für Sammler, die gezielt Vintage-Uhren suchen und den persönlichen Kontakt mögen: das Ladenlokal ist von Dienstag bis Freitag und samstags geöffnet, Reparaturen laufen über einen Uhrmacher im Haus. Wer die Ware in der Schweiz abholt, zahlt 8,1 Prozent Mehrwertsteuer auf den Zuschlag, bei Ausfuhr gibt es sie zurück. Versand organisiert das Haus, allerdings auf Kosten und Risiko des Käufers.
Zürich, Stadthausquai 11-13, CH-8001