Wer einmal gesehen hat, wie ein Seeadler knapp über die Köpfe der Zuschauer zieht, versteht, warum Falknereien in Deutschland volle Tribünen haben. Diese Übersicht richtet sich an Familien, Wanderer und Tierfreunde, die einen Ausflug planen und vorher wissen wollen, was sie erwartet: wie oft geflogen wird, wie groß die Anlage ist, was der Eintritt kostet und ob sich die Anfahrt lohnt.
Aufgenommen wurden nur Einrichtungen mit fester Saison, regelmäßigen Flugvorführungen und einer dauerhaft betreuten Vogelhaltung. Verglichen wurden Artenzahl und Bestand, Häufigkeit und Dauer der Vorführungen, Preise und Jahreskarten, Öffnungszeiten außerhalb der Hauptsaison, Wege und Sitzplätze auf dem Gelände, Gastronomie vor Ort sowie Zusatzangebote wie Falknerstunden, Patenschaften und Führungen. Ebenso zählte, ob die Falknerei in Zucht, Pflege oder Auswilderung eingebunden ist.
Die Plätze verteilt die Redaktion nicht, das übernehmen die Stimmen der Leser. Wer eine der Falknereien in Deutschland besucht hat, kann abstimmen und seinen Eindruck hinterlassen. In den Karten stehen Vorzüge und Schwächen nebeneinander, dazu die Erfahrungen anderer Besucher: Ruhetage, Wetterabhängigkeit der Shows und Hunderegeln sind oft genau die Punkte, die einen Ausflug retten oder verderben.
Die Adlerwarte wurde 1939 vom Ehepaar Kati und Adolf Deppe auf einem Bergrücken im Teutoburger Wald angelegt und gilt als älteste Greifvogelwarte Europas. Heute führt die Stadt Detmold die Anlage als Eigenbetrieb. Gehalten werden über 200 Vögel aus rund 46 Arten, von Falken und Milanen bis zu Geiern und Seeadlern. Die Freiflugvorführung dauert etwa 40 Minuten, die Tribüne hat 160 Sitzplätze. Geflogen wird in der Saison um 11 und 15 Uhr, im Hochsommer kommt ein später Nachmittagstermin dazu.
Für einen Halbtagsausflug mit Kindern passt das gut: kurze Wege, Panoramaterrasse, Alpakas und Skuddenschafe als Zugabe, dazu Jahreskarten für Wiederholungstäter. Wer mit Hund unterwegs ist, muss umplanen, Hunde bleiben draußen. Im Winter ist geschlossen, und bei Sturm oder Dauerregen fällt der Freiflug aus.
Detmold, Hangsteinstraße, Ortsteil Berlebeck
In den Zwingermauern der unzerstörten Stauferburg über dem Neckar besteht die Greifenwarte seit 1970. Rund 60 Großgreifvögel und Eulen leben hier, darunter Mönchs-, Gänse- und Bartgeier sowie See-, Stein- und Kaiseradler. Bei der Flugvorführung, etwa 60 Minuten lang, fliegen mehrere dieser schweren Vögel gemeinsam über dem Tal und direkt über die Zuschauer hinweg. Vorgeführt wird in der Saison täglich um 11 und 15 Uhr, von November bis Februar samstags und sonntags mittags.
Der Rundgang durch die Zwingeranlage dauert noch einmal 30 bis 60 Minuten, dazu kommen Burgmuseum, Burgschenke und Touchscreen-Stationen. Falknerstunden mit direktem Kontakt zu den Vögeln lassen sich buchen, ebenso Patenschaften. Hunde dürfen mit auf die Burg, aber nicht in den Bereich der Greifenwarte. Wer nur schnell eine Show sehen will, ist hier unterversorgt, die Anlage ist auf einen halben Tag angelegt.
Haßmersheim, Burgstraße 1, Ortsteil Neckarmühlbach
Die Familie Kaltenleitner betreibt die Falknerei im Burggraben der Burg Hohenbeilstein oberhalb der Fachwerkgassen von Beilstein. Gezeigt werden rund 100 Greifvögel aus vier Kontinenten, Tag- und Nachtgreife nebeneinander: Adler, Geier mit fast drei Metern Spannweite, Bussarde, Eulen, Käuze und Uhus. Die Vögel sitzen auf Sprengeln und Juhlen mit Schutzhäuschen, dahinter liegen moderne Zuchtgehege. Flugvorführung ist von Dienstag bis Samstag um 15 Uhr, sonn- und feiertags zusätzlich um 11 Uhr.
Der Greifvogelzoo öffnet vormittags und nachmittags mit Mittagspause, das sollte man bei der Anfahrt einplanen. Gruppen ab 20 Personen bekommen auf Voranmeldung eigene Termine. Verletzte Wildvögel nimmt die Falknerei nicht auf, dafür verweist sie auf die NABU-Pflegestation in Bad Friedrichshall. Der Aufstieg zur Burg ist kurz, aber steil.
Beilstein, Burg Hohenbeilstein
Der Falkenhof auf der Rosenburg hoch über dem Altmühltal wurde 1978 gegründet und versteht sich als Artenschutz- und Forschungsstation. Die meisten Adler, Geier, Falken und Bussarde stammen aus eigener Zucht, ein Teil des Nachwuchses geht in Auswilderungsprojekte. Geflogen wird in der Saison täglich um 11 und 15 Uhr, Montag ist Ruhetag, an Feiertagen bleibt geöffnet. Die Burg selbst stammt im Kern aus dem 12. Jahrhundert, im Burgmuseum geht es um die Geschichte der Beizjagd.
Vor oder nach der Vorführung kann man die Vögel im Außenbereich aus kurzer Distanz ansehen, Schautafeln erklären die Burg. Letzter Einlass ist am späten Nachmittag, in den Wintermonaten ist der Falkenhof geschlossen. Die Anfahrt führt über eine schmale Bergstraße, mit Kinderwagen ist das Gelände nur mit Mühe zu befahren.
Riedenburg, Rosenburg 1
greifvogelstation-hellenthal.de
Die Station in der Nordeifel verbindet Falknerei mit einem 65 Hektar großen Wildpark, in dem fast 500 Tiere leben. Sie zählt zu den ältesten und größten Greifvogelstationen Europas. Von April bis Oktober gibt es drei Flugvorführungen am Tag, um 11, 14.30 und 16 Uhr, in der Nebensaison zwei. Adler, Bussarde und Falken fliegen über das Tal, dazu kommen die Luchsfütterung und zwei große Kontaktgehege mit Sika- und Damwild, in denen Kinder die Tiere füttern dürfen.
Wer mehrere Stunden Zeit hat, bekommt hier viel fürs Geld, weil Wildpark und Greifvögel in einem Ticket stecken. Die Wege sind lang und teilweise steil, festes Schuhwerk lohnt sich. Im Winter reduziert sich das Programm deutlich, dann bleibt vor allem die Fütterung. Bei Nebel in der Eifel kann die Flugschau kurzfristig entfallen.
Hellenthal, Am Wildfreigehege 1
Der Park liegt auf 618 Metern im Bürgerpark auf dem Katharinenberg über Wunsiedel und umfasst rund zwei Hektar. Betreiber Eckard Mickisch hat die Volieren als eine der ersten Anlagen in Deutschland konsequent nach den neuen zoologischen Leitlinien für die Greifvogelhaltung gebaut, entsprechend großzügig sind die Gehege. Herzstück ist der Flugplatz für die Vorführungen, daneben gibt es ein Bistro und einen Spielplatz. Geöffnet ist von den bayerischen Oster- bis zu den Herbstferien, dienstags bis sonntags und an Feiertagen.
Die Kombination aus Wandergebiet Fichtelgebirge, Luisenburg und Greifvogelpark macht einen Tagesausflug leicht planbar. Telefonisch ist das Team nur morgens und am späten Nachmittag erreichbar, Anfragen am besten per Mail. Montags bleibt zu, und über den Winter ruht der Betrieb komplett.
Wunsiedel, Am Katharinenberg 1
Die Greifenwarte der Familie Schubach liegt auf rund 640 Metern direkt am Rennsteig, gleich neben der Ruhlaer Skihütte. Bekannt wurde sie durch eine MDR-Dokureihe. Zu sehen sind Falken, Bussarde, Adler, Geier und Eulen, die Flugshow läuft täglich um 15 Uhr und dauert etwa eine Stunde. Sie ist bewusst interaktiv angelegt: Besucher dürfen Vögel auf dem Arm landen lassen. Daneben ist die Falknerei als Artenschutzprojekt anerkannt und päppelt verletzte Greifvögel für die Auswilderung auf.
Geöffnet ist dienstags bis sonntags vormittags und nachmittags, Montag ist Ruhetag. Auf der Höhe ist es auch im Sommer kühl, warme Jacke einpacken. Bei starkem Regen, Wind oder hohem Schnee entfällt die Vorführung, und Hunde dürfen zum Schutz der Vögel nicht mit aufs Gelände.
Waltershausen, Ortsteil Winterstein, Liebensteiner Straße 108
falknerei-burg-greifenstein.de
Auf der Burgruine Greifenstein hoch über Bad Blankenburg, dem Eingang ins Schwarzatal, zeigt die Falknerei von Sandra Jung und Benedikt Nyssen ein tägliches Flugprogramm mit Geiern, Adlern, Bussarden, Falken und Eulen. Die Bussarde fliegen dicht an den Rängen vorbei, während der Adler über dem Tal kreist. Der Ton ist locker, es geht um Biologie und Jagdverhalten statt um Effekthascherei, das kommt bei Schulklassen und Reisegruppen gut an.
Die Burgruine selbst lohnt den Weg, Aussicht und Mauerreste inklusive. Gruppen, Kindergeburtstage und Firmenfeiern werden nach Absprache eingeplant, telefonisch erreicht man das Team an Werktagen mittags. Bei großer Hitze, Hagel, Sturm oder Gewitter fällt die Show aus Tierschutzgründen aus, ein Anruf vor der Anfahrt spart Enttäuschung. Der Aufstieg zur Burg ist zu Fuß zu bewältigen, aber nicht barrierefrei.
Bad Blankenburg, Greifensteinstraße 3
greifvogelpark-grafenwiesen.de
Im Bayerischen Wald zwischen Bad Kötzting und Grafenwiesen leben rund 80 Greifvögel auf etwa 7500 Quadratmetern, darunter einige selten gezeigte Arten. Zum Park gehören ein Lehrpfad über Tiere und Pflanzen am Fluss Regen sowie die Terrassenwirtschaft Zum Geianest mit Brotzeit und Kuchen. Die Flugshow beginnt um 15 Uhr und startet ab etwa 20 Zuschauern. Der Eintritt mit Flugschau liegt bei 10 Euro für Erwachsene und 6,50 Euro für Kinder unter 14 Jahren, ohne Show bei 6 beziehungsweise 4 Euro.
Geöffnet ist von Sonntag bis Freitag am Nachmittag, Samstag ist Ruhetag, von Oktober bis in den Frühling bleibt der Park zu. Flugvorführungen gibt es erst nach dem Ende der Brutzeit, im Frühjahr also nicht. Hunde dürfen nicht in den Park, auf der Caféterrasse sind sie erlaubt.
Grafenwiesen, Feßmannsdorf 31
Die Falknerei von Luisa Weich sitzt mitten im Wildpark Bad Marienberg im Westerwald. Die Flugvorführung dauert rund 30 Minuten und kostet 3 Euro pro Person, kleine Kinder zahlen nichts, der Wildpark selbst ist frei zugänglich. Geflogen wird von Dienstag bis Freitag um 16 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen um 11.30 und 15 Uhr. Zu sehen sind Greifvögel und Eulen aus kurzer Distanz, die Moderation ist auf Familien zugeschnitten.
Für einen Nachmittag mit Kindern ist das eine der günstigsten Möglichkeiten, Greifvögel im Flug zu sehen, zumal Wildpark, Spielplätze und Wanderwege rund um die Wolfsteine direkt anschließen. Die Anlage ist klein, wer Geier mit drei Metern Spannweite erwartet, sollte die Erwartung anpassen. Außerhalb der Shows dürfen Hunde mit auf das Falknereigelände. Saison ist von März bis November.
Bad Marienberg, Wildparkstraße