Wer einen Ausflug sucht, der bei Regen und bei Hitze funktioniert, landet schnell unter der Erde. Schauhöhlen in Deutschland sind kühl, spannend und für Kinder ab etwa vier Jahren gut zu schaffen. Diese Übersicht hilft Familien, Schulklassen und Wandergruppen bei der Frage: Welche Höhle lohnt die Anfahrt, und was erwartet einen dort wirklich?
Aufgenommen wurden nur Höhlen, die aktuell Führungen anbieten und beim Publikum bekannt sind. Verglichen wurden Länge und Ausbau der Besucherwege, Dauer und Takt der Führungen, Preise, Saison und Öffnungszeiten, Anfahrt und Parken sowie Extras wie Museum, Heilstollen oder Konzerte im Berg. Wichtig war auch, wie anstrengend der Weg ist: Treppen, enge Gänge, Rutschgefahr. Die Schauhöhlen in Deutschland unterscheiden sich stärker, als man denkt, von der kleinen Galeriehöhle bis zum weiten Anhydritsaal.
Die Reihenfolge legt keine Redaktion fest, das machen die Stimmen der Community. Jede Stimme verschiebt die Plätze. In den Karten stehen Vorzüge, Schwächen und die Erfahrungen anderer Besucher. Danach die Öffnungszeiten auf der Webseite prüfen, warme Jacke einpacken, los geht es.
Die Atta-Höhle bei Attendorn kam am 19. Juli 1907 durch Sprengungen in einem Kalksteinbruch ans Licht, zwei Monate später standen schon die ersten Besucher drin. Das System misst 6.670 Meter, rund 1.800 Meter sind ausgebaut. Hinein geht es durch einen 80 Meter langen Stollen, drinnen herrschen konstant 9 Grad, der Rundgang dauert etwa 40 Minuten. In der Saison starten Führungen spätestens alle 15 Minuten, Tickets gibt es nur vor Ort an der Tageskasse.
Passt für Familien und Gruppen, die spontan kommen. Wer schlecht zu Fuß ist, muss aufpassen: viele Treppen, kein barrierefreier Weg. Feste Schuhe und eine Jacke gehören dazu, auch im August. Hunde bleiben draußen. Restaurant, Laden und Parkplatz liegen direkt am Eingang, Wartezeit lässt sich also gut überbrücken.
Finnentroper Str. 39, 57439 Attendorn
Die Teufelshöhle bei Pottenstein gilt als größte Tropfsteinhöhle der Fränkischen Schweiz. Zwischen 1922 und 1931 wurde sie ausgebaut, dabei fanden Forscher Knochen von rund 80 Höhlenbären. Aus den Funden setzte der Paläontologe Max Schlosser 1959 ein komplettes Skelett zusammen, es steht heute im Rundgang. Der Weg führt durch mehrere große Hallen mit Vorhängen, Säulen und feinen Sinterformen. In der Sommersaison ist täglich ab 9 Uhr geöffnet, letzter Einlass gegen 16.30 Uhr.
Besichtigung nur mit Führung, Karten ausschließlich an der Höhlenkasse. Gruppen ab 15 Personen melden sich vorher an, per Telefon oder Mail. Empfohlen wird der Besuch mit Kindern ab vier Jahren, Hunde dürfen an der Leine mit. Ein Pluspunkt für Menschen mit Atemwegsproblemen: im Heilstollen gibt es Liegekuren. Im Winter läuft der Betrieb eingeschränkt, vor der Anfahrt lohnt der Blick auf die Webseite.
Pegnitzer Straße 100, 91278 Pottenstein
Die Barbarossahöhle am Südwestrand des Kyffhäusers ist ein geologischer Sonderfall: Sie liegt im Anhydrit, nicht im Kalk. Durch die Luftfeuchtigkeit wandelt sich das Gestein oberflächlich in Gips um, quillt auf und hängt in großen Lappen von Decke und Wänden. Entdeckt wurde der Hohlraum am 20. Dezember 1865 beim Vortrieb eines Stollens für den Kupferschieferbergbau, ab 1866 kamen Besucher. Etwa 800 Meter Weg, rund 15.000 Quadratmeter Grundfläche, 10 Grad Lufttemperatur, dazu spiegelglatte unterirdische Seen.
Die Führung dauert ungefähr eine Stunde und ist damit länger als in vielen anderen Höhlen. Von April bis Oktober läuft der Betrieb täglich, im Winter von Dienstag bis Sonntag. Wer Tropfsteine im klassischen Sinn erwartet, wird überrascht: Hier zählen Farben, Formen und Weite. Reisegruppen sollten sich anmelden, für Fotos wird eine kleine Gebühr fällig.
An den Mühlen 6, 99707 Kyffhäuserland, OT Rottleben
Die Baumannshöhle in Rübeland ist die älteste Schauhöhle Deutschlands: Seit 1646 gibt es organisierte Führungen. Der Sage nach stieß der Bergmann Friedrich Baumann im 16. Jahrhundert auf den Eingang. Berühmt ist der Goethesaal mit dem angelegten Wolfgangsee und der einzigen untertägigen Naturbühne des Landes, hier laufen Theater, Konzerte und sogar Trauungen. Der geführte Rundgang startet planmäßig alle 20 Minuten und dauert rund 50 Minuten, Gruppen bis 40 Personen. Erwachsene zahlen 10,50 Euro, Kinder von 4 bis 14 Jahren 7,50 Euro.
Tickets gibt es online und an der Tageskasse, allerdings sind online nur die Führungen zur vollen Stunde buchbar. Wer beides sehen will, kombiniert den Besuch mit der Hermannshöhle im gleichen Ort. Hunde sind nicht erlaubt. Der Weg hat viele Stufen und feuchte Abschnitte, rutschfeste Schuhe sind Pflicht.
Blankenburger Straße 35, 38889 Oberharz am Brocken, Rübeland
Am 10. Juni 1868 verloren zwei Eisenbahnarbeiter im Tal des Grüner Bachs einen Hammer in einer Felsspalte. Bei der Suche fanden sie die Dechenhöhle. Von etwa 900 Metern Gesamtlänge sind rund 400 Meter für Besucher ausgebaut, benannt ist die Höhle nach dem Oberberghauptmann Heinrich von Dechen. Sie ist bekannt für dichten Tropfsteinschmuck, hauchdünne Steinvorhänge und prähistorische Tierfunde. Im Eintritt steckt das Deutsche Höhlenmuseum gleich am Eingang.
Von März bis November finden täglich Führungen statt, im Winter meist nur an Wochenenden und in den Ferien. Die Anreise ist ungewöhnlich bequem: Der Haltepunkt Letmathe-Dechenhöhle liegt direkt daneben, zwei kostenfreie Parkflächen sind vorhanden. Gut für Schulklassen, weil Höhle und Museum zusammen einen halben Tag füllen. Für Kinderwagen und Rollstühle ist der Weg nicht gemacht.
Dechenhöhle 5, 58644 Iserlohn
Die Bärenhöhle bei Sonnenbühl-Erpfingen besteht aus zwei Teilen: der 1834 vom Dorfschullehrer Fauth entdeckten Karlshöhle und der 1949 gefundenen Fortsetzung. Begehbar sind 271 Meter. Den Namen gaben die vielen Skelettreste von Höhlenbären, ein restauriertes Skelett und weitere Schädel und Knochen sind im Rundgang zu sehen. Dazu kommen Funde, die belegen, dass hier vor 20.000 Jahren Nashörner und Höhlenlöwen unterwegs waren. Der Weg ist gut ausgebaut und für Kinder leicht zu schaffen.
Von Dezember bis Februar bleibt die Höhle zu, das schützt die Fledermäuse. Betreiber ist die Gemeinde Sonnenbühl, die Preise liegen im niedrigen einstelligen Bereich, für eine kurze Tour also fair. Direkt an der Höhle liegt der Freizeitpark Traumland, das macht den Ausflug mit kleineren Kindern zum ganzen Tag. Wer eine lange Höhlenwanderung sucht, ist hier zu schnell wieder draußen.
Auf der Bärenhöhle, 72820 Sonnenbühl-Erpfingen
Die Kluterthöhle in Ennepetal ist die größte natürliche Höhle Deutschlands: über 5.800 Meter Gänge, mehr als 360 Hallen und Gänge, unterirdische Seen und Bäche. Entstanden ist sie im Riffkalk des Devon, rund 385 Millionen Jahre alt, der Fossilreichtum ist enorm. Im Zweiten Weltkrieg diente sie der Bevölkerung als Schutzraum. Seit 1954 darf sie sich Klimahöhle nennen, das gleichmäßige Klima bei 10 Grad wird für Atemwegstherapien genutzt. 2017 wurde sie als Nationales Naturmonument ausgewiesen.
Neben der klassischen kleinen Runde gibt es Erlebnistouren mit Overall und Helm, teils durch enge Passagen. Erwachsene zahlen rund 10 Euro, Kinder von 4 bis 15 Jahren etwa 6 Euro, gebucht wird am besten online. Wer Tropfsteine sehen will, sollte die Erwartungen anpassen: Hier zählen Größe, Fossilien und das Gefühl, im Berg zu stecken. Feste Schuhe sind Pflicht, es ist nass und lehmig.
Höhlenstraße 20, 58256 Ennepetal
Die Binghöhle im Wiesenttal wurde 1905 vom Nürnberger Fabrikanten Ignaz Bing entdeckt und schon ein Jahr später für Besucher geöffnet. Sie gilt als eine der schönsten Galeriehöhlen Deutschlands: ein langer, oben schmaler Gang, dicht besetzt mit Sinterfahnen und Tropfsteinen. Der Rundweg ist etwa 300 Meter lang, eine Führung dauert 30 bis 40 Minuten. Erwachsene zahlen ungefähr 7,50 Euro, Kinder von 4 bis 14 Jahren 4 Euro. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag, montags Ruhetag außer in den bayerischen Ferien.
Vor der Tour gibt es Infomaterial und eine ausführliche Einführung, für Kinder auf Wunsch mit Märchen oder Fledermausthema. Gruppen ab zehn Personen melden sich telefonisch an, am Wochenende geht das nicht per Mail. Im Winterhalbjahr wird der Betrieb auf einzelne Termine reduziert. Der Aufstieg zum Eingang ist kurz, aber steil.
Schauertal, 91346 Wiesenttal, OT Streitberg
Beim HöhlenErlebnisZentrum in Bad Grund gehören Höhle und Museum zusammen. Vom Eingangsgebäude führt ein rund 160 Meter langer Stollen in den Iberg, einen 385 Millionen Jahre alten Riffkalkberg, unterwegs erklärt das Museum im Berg die Entstehung. Die Führung durch die Tropfsteinhöhle dauert etwa 30 Minuten. Dazu kommt der originalgetreue Nachbau der Lichtensteinhöhle, eines 3.000 Jahre alten Höhlengrabes, samt Ausstellung zu den DNA-Untersuchungen der Bronzezeitmenschen. Erwachsene zahlen 10 Euro, ermäßigt 6,50 Euro, mit der HarzCard ist der Eintritt frei.
Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, die letzte Führung startet um 16 Uhr. Ein Audioguide läuft über das kostenlose WLAN im Haus, Cafeteria und Shop sind da. Die Höhle selbst ist kleiner als die Konkurrenz im Harz, dafür ist die Archäologie einmalig. Wer nur Tropfsteine sehen will, fährt besser nach Rübeland.
An der Tropfsteinhöhle 1, 37539 Bad Grund (Harz)
Die Charlottenhöhle bei Giengen-Hürben ist mit Seitengängen 587 Meter lang und damit eine der längeren Schauhöhlen Süddeutschlands. Der Eingang war schon 1591 als Hundsloch in einer Forstkarte eingetragen, damals warf man Tierkadaver hinein. Erst 1893 stieg Oberförster Hermann Emil Sihler mit einer Strickleiter hinab, danach wurde die Höhle freigelegt und nach Königin Charlotte von Württemberg benannt. Typisch ist der hohe, schmale Gang mit Säulen und Vorhängen, heute in LED-Licht.
Die Höhle gehört zur HöhlenErlebnisWelt, dazu kommen das HöhlenSchauLand mit Mitmachstationen und das HöhlenHaus. Die Erlebniskarte für Höhle und SchauLand kostet für Erwachsene 10 Euro, für Kinder von 4 bis 16 Jahren 8 Euro, nur die Höhle liegt bei 6 Euro. Von November bis März ist Winterpause. Für Familien mit Grundschulkindern eine sichere Karte, für Höhlenprofis eher ein ruhiger Spaziergang.
Lonetalstraße 61, 89537 Giengen an der Brenz, Hürben